Suchcode diese Seite: 926
News » Nachgefragt - Interviews » Valentin Belz von running.Coach

Nachgefragt - Interviews zum Thema Laufen

running.COACH - der dynamische Trainingsplan

Interview mit Valentin Belz

Valentin Belz
Du bist Projektleiter von running.COACH, begleitest Trainingslager, bist diplomierter Sportlehrer, Mit-Buchautor und bloggst fleissig. Kommst du selber zum Laufen?

Drei bis viermal pro Woche schnüre ich meine Laufschuhe oder drehe eine Runde mit dem Rennrad. Ich brauche diesen Ausgleich zur Arbeit.

Wann bist du vom Laufvirus angesteckt worden?

Mein Bruder war bereits Mitglied in der Leichtathletikabteilung des Stadtturnvereins Bern. Meine Eltern fanden, dass es einfach wäre, wenn wir drei Geschwister am gleichen Ort trainieren würden.
Ich bin vor allem wegen des Fussballs gegangen, der am Anfang und am Ende einer Trainingseinheit gespielt werden durfte. Aber auch die anderen Disziplinen wie Speerwerfen oder Hochsprung haben mir Freude gemacht. Der Empfang, den man Markus Ryffel, Sandra Gasser und Werner Günthör nach den Erfolgen an den Weltmeisterschaften in Rom 1987 bereitete, war für mich ein prägendes Erlebnis. Ich war damals in der 3. Klasse.

Wer war massgeblich daran beteiligt, dass du mit Laufen angefangen hast?

Mein älterer Bruder Christian war stets mein Vorbild. Neben dem wöchentlichen Leichtathletiktraining haben wir viel zusammen Fussball und Rollhockey gespielt und haben dadurch eine ausgezeichnete Grundlagenausdauer fürs Laufen gelegt. An Läufen haben wir immer gut abgeschnitten. Das gab Motivation, noch besser zu werden und an den nächsten Wettkämpfen hatten wir meist die Bestätigung.

Valentin Belz

Die Familie Belz ist sehr sportlich: David, Christian und Valentin haben alle schon vordere Plätze bei Laufveranstaltungen erreicht.

Christian war sehr erfolgreich, in Schülerzeiten war ich eine Zeit lang sogar etwas stärker. David und ich liefen im Jahr 2005 die 1500 m unter 4 min. Alle drei Brüder zusammen haben wir im gleichen Jahr an den Schweizer Staffel-Meisterschaften über 3 x 1000 Meter teilgenommen. Das war schon speziell: Alle drei Staffelläufer aus der gleichen Familie.

Welches war dein emotionalster Wettkampf?

Mein emotionalstes Rennen war der Bremgarten Reusslauf 2008. Ich erreichte den 4. Platz in der Gesamtwertung und war bester Schweizer. Während dieses Laufes hatte ich das Gefühl, „geflogen“ zu sein.

Welches ist deine grösste Motivation, regelmässig laufen zu gehen?

In der Natur sein und mit einem guten Gefühl und einer Leichtigkeit durch die Gegend zu laufen, ist meine grösste Motivation. Zu sehen, wie sich die Natur verändert. Jeden Tag sieht die Laufrunde anders aus. Es ist toll, einerseits das Äussere, die Umgebung, anderseits das Innere, den Körper und die Leichtigkeit zu spüren. Wenn man regelmässig trainiert, kommt das gute Gefühl, dass es fliesst. Der Fluss - der „Flow“ stellt sich ein.

Dein Bruder Christian war längere Zeit an der Spitze. Hattest du da einen Anteil an seinem Erfolg?

Ich habe ihn höchstens ab und zu bei einem seiner Trainings begleitet. Er hatte seinen eigenen Trainer und traf mit ihm auch die Trainingsentscheidungen. Ich habe aber natürlich seine Karriere sehr interessiert verfolgt.

Mit dem Lancieren des running.COACH-Trainingsplanes bist du plötzlich auch mehr ins Rampenlicht gekommen. Wie war das „im Schatten“ deines auch sehr erfolgreichen Bruders?

Ich habe schon mit 15 entschieden, einen anderen Weg einzuschlagen als mein Bruder. Mit eigenen Zielen vor Augen war das für mich überhaupt kein Problem. Ich habe ihm die „Berühmtheit“ gegönnt und war gleichzeitig auch froh, nicht so im Rampenlicht stehen zu müssen und Verpflichtungen zu haben.

Als ich das erste Mal Kontakt mit dem running.COACH aufnahm, war ich überrascht, so schnell und kompetent Antwort zu erhalten. Viele Firmen im Netz vernachlässigen diesen Dienst enorm.

„Service is our Success“ – Ich halte mich an diesen Slogan von Dietmar Millonig, einem ehemaligen österreichischen Mittel- und Langstreckenläufer sowie Weggefährten von Markus Ryffel, der dies bei Nike vorlebt. Der Kundendienst ist in meinen Augen die Visitenkarte einer Firma.

Hast du vor deiner Arbeit bei running.COACH mit anderen Trainingsplänen oder -systemen trainiert?

Ich habe Vicsystem einmal ausprobiert. Sonst habe ich mir die Pläne stets selber geschrieben.

In der Anfangsphase hatte der running.COACH mit vielen technischen Problemen zu kämpfen. Waren die Ziele zu ehrgeizig?

Unser Zeitplan war sehr ambitiös. Die Menge an Funktionen, welche der running.COACH mit den Trainingsdaten verknüpft, ist sehr gross. Da gibt es beispielsweise rund 7000 verschieden definierte Trainingseinheiten, welche mit Verpflegungstipps, Videos für Lauftechnik, Kraftgymnastik oder Fussgymnastik und weiteren Zusatzleistungen gekoppelt sind. Das Ganze ist wirklich enorm komplex. Wir haben nicht nur einen „einfachen“ Trainingsplan lancieren wollen - das Gesamtpaket musste stimmen und unserer Trainingsphilosophie entsprechen.

running.Coach

Wie viel Ryffel, Röthlin und Belz finde ich in meinem running.COACH-Trainingsplan?

Viele meinen, es sei nur der Name, den die drei dem Trainingsplan gegeben haben. Es ist aber eine Trainingsphilosophie, die wir alle gemeinsam teilen. Ich habe die Planung gemacht und das mit jedem einzelnen besprochen. Die Meinungen flossen dann in den Aufbau ein. Vor allem die Schlüsseltrainings wurden immer wieder von den dreien begutachtet. Die ganze Erfahrung der drei floss und fliesst immer wieder in die Planung ein. Selbst heute -  nach bald einem Jahr Laufzeit - noch.

Die drei haben sicher sehr unterschiedlich auf ihre Erfolge trainiert. Wie passt das in ein einziges Trainingsprogramm?

Ihre Trainingsphilosophien haben einen gemeinsamen Nenner: Sie orientieren sich an den fünf Konditionsfaktoren (Ausdauer, Kraft, Koordination, Schnelligkeit, Beweglichkeit) und pflegen „Hausaufgaben“ wie Fussgymnastik oder Stabilisationstraining. Je nach Zieldistanz kommen Eigenheiten zum Tragen. Dies kann der running.COACH aber berücksichtigen, weil wir im Prinzip jede einzelne Einheit ganz genau definieren können. Weiter ist den Dreien gemeinsam, dass sie in der Vorbereitung auf ihre Hauptwettkämpfe jeweils in der Höhe im Engadin, in Kenia oder in den USA trainiert und so versucht haben, auf natürliche Art und Weise das Maximum herauszuholen.

Wie müssen wir Läuferinnen und Läufer die Zusammenarbeit von Ryffel, Röthlin und Belz mit dem running.COACH vorstellen?

Wenn ein User etwas fragt, das ich mit meinem Wissen und meiner Erfahrung nicht schlüssig beantworten kann, frage ich bei den Dreien nach. Da wir einen sehr engen Kontakt pflegen, erhält der User die spezifische Antwort direkt von Markus Ryffel, Viktor Röthlin oder Christian Belz.

Der running.COACH passt sich im Gegensatz zum Vicsystem erst nach erneuter Eingabe eines Testlaufes an. Ein Vor- oder Nachteil?

Ein Vorteil, weil Anpassungen stufenförmig und nicht linear erfolgen sollten. Bei einer linearen Anpassung besteht die Gefahr, dass man seinen Körper überfordert, was kurzfristig Erfolg, langfristig aber unangenehme Folgen haben kann. Die „normalen“ Formschwankungen fangen wir mit der Angabe eines Zielbereiches auf. Tritt eine Entwicklung des Leistungsstandes ein, gilt es, die Einstellungen anzupassen. Wir fordern unsere User alle 4 Wochen dazu auf, die Einstellungen zu überprüfen und gegebenenfalls das Resultat des Testlaufs anzupassen. Dies erwirkt umgehend eine Anpassung der Trainingsintensität.
Ein Nachteil ist es, weil der Kunde vom running.COACH eine dynamische Anpassung erwartet. Wir überlegen uns deshalb eine sinnvolle Lösung.

Der running.COACH hat sich seit der Lancierung im Sommer 2010 extrem schnell verändert und ständig verbessert. Wie schafft ihr es, ein so komplexes Programm regelmässig an die Userwünsche anzupassen?

Ich habe eine Liste mit Wünschen der User und mit persönlichen Zielen. Diese priorisiere ich nach Dringlichkeit und Wichtigkeit. Fehler müssen schnell behoben werden. Dann schaue ich mir mit dem Programmierer an, was weiter realisierbar ist. Wenn möglich wird es direkt umgesetzt.
Ich spüre gut, was den Usern wichtig ist und wo etwas verändert werden kann. Das ist meine Stärke. Eine grosse Hilfe sind uns unsere User selbst. Ich habe zahlreiche User, die uns im Testen grossartig unterstützen und regelmässig Verbesserungsvorschläge einbringen. Ohne sie wären wir nicht da, wo wir jetzt sind.

Drei Punkte, warum sich Läuferinnen und Läufer für den running.COACH entscheiden sollen:

  • 1. Es ist motivierend, nach einem Plan zu trainieren. Du hast einen „Trainingspartner“.
  • 2. Du hast die Erfahrung der drei Cracks im running.COACH. Das ist für die 80% der User, welche auf einen Wettkampf trainieren, sehr wichtig.
  • 3. Der korrekt eingehaltene Plan gibt dir Gewissheit, deine Ziele im Wettkampf zu schaffen. Du stehst mit einer ganz anderen Sicherheit an der Startlinie eines Wettkampfes.

Hast du ein persönliches Laufziel, auf das du hinarbeitest?

Ich möchte einmal am New York City Marathon teilnehmen.

…und du bist wohl verpflichtet, mit dem running.COACH zu trainieren, oder?

Ich wüsste nicht, mit was sonst. Ich bin überzeugt, dass der running.COACH eine gute Sache ist und die Pläne hervorragend sind. Ich habe für den Greifenseelauf 2010 mit dem running.COACH trainiert.

…und den 40. Gesamtrang mit 1:15:50.5 erreicht!

Valentin Belz

Was verpasst ein Mensch, der nicht läuft, im Leben?

Man verpasst einen Teil seines Lebens: Glücksgefühle, spannende Begegnungen, das intensive Erleben der Natur, das Kennenlernen des eigenen Körpers und seiner Grenzen, die Fähigkeit auf ein Ziel hinzuarbeiten, Ausdauer zu üben. Viele Fähigkeiten, die nicht zuletzt auch im Job sehr wichtig sind.

Valentin Belz, herzlichen Dank für das Interview!


» Mit dem Newsletter auf dem Laufenden!