Suchcode diese Seite: 1047
News » Nachgefragt - Interviews » Kollabiert am Triathlon

Nachgefragt - Interviews zum Thema Laufen

Kollabiert am Triathlon - Interview mit Heimo

Heimo, du hast an deinem Triathlon im Juli 2013 auf dem letzten Kilometer eine Grenzerfahrung der besonderen Art erlebt. Erzähle kurz.

Ja, ich bin beim Karlsfeld Triathlon sprichwörtlich „trocken gelaufen“ und bin aufgrund der körperlichen Belastung und der Temperaturen von über 32C° kollabiert. Ich war dann mehrere Minuten bewusstlos und habe längere Zeit gebraucht um mich wieder zu orientieren, bzw. zu erinnern. Zwei Ärztinnen, die selbst beim Triathlon teilnahmen, haben die Erstversorgung übernommen, bis Sie mich den Sanitätern übergeben haben. Ich selbst habe von dem drum herum so gut wie nichts mitbekommen

Heimo am Triathlon

Hast du vor dem „Time-out“ irgendwelche Warnzeichen gespürt?

Es war an dem Tag sehr heiß, die Laufstrecke bot kaum Schatten, aber ich verspürte jetzt keinen außergewöhnlich starken Durst. Kurz vor Kilometer neun, verspürte ich dass die Waden anfangen zu krampfen, das führte ich aber bei einer Belastungsdauer von über zwei Stunden auf einsetzenden Magnesium/Mineralien Mangel zurück. Wadenkrämpfe habe ich sonst nur beim Schwimmen, das liegt aber an meinem miesen Beinschlag, oder aber bei langen Laufdistanzen (HM, bzw. MT) beim Zielsprint, wenn ich auf dem letzten Kilometer nochmals das Tempo anziehe. Krampfende Waden auf dem letzten Kilometer sind also nix neues.

Der Black-Out kam dann schlagartig, zumindest kommt es mir jetzt im Nachhinein so vor. Ich kann mich wirklich nicht mehr erinnern, ich weiß nicht mal wo es mich zerlegt hat. Ich muss kontrolliert zu Boden gegangen sein, jedenfalls hatte ich außer einer etwas geprellten linken Hand, keine sonstigen Verletzungen wie Schürfwunden.

Was war deiner Ansicht nach der grosse Fehler?

Ich denke da kamen mehrere Faktoren zusammen. Selbstüberschätzung und Ignoranz äusserer Faktoren und einfacher Grundregeln.

Klar, ich habe für die Bedingungen zu wenig getrunken. Es gab jedoch schon andere Triathlons, bei ähnlichen Bedingungen, da hatte ich noch weniger, fast gar nichts getrunken. Ich trinke während eines Wettkampfs generell sehr wenig. Einen Halbmarathon laufe ich in der Regel ohne zu trinken. Erst ab 25 km nehme ich im Training einen Trinkrucksack mit. Beim MT trinke ich ab km 15 alle 10 km einen 02 Becher (mit Trinkhalm). Für den Karlsfeld Triathlon hatte ich mir sogar extra eine Aero-Trinkflasche für das Rad gekauft, damit ich während des Radelns ohne großen Zeitverlust trinken kann, allerdings habe ich das nicht ausgiebig genutzt sondern nur gerade mal 200 – 300 ml getrunken. Während des Laufens habe ich dann überhaupt nichts mehr getrunken, sondern nur noch die nassen Schwämme genommen. Ein Fehler. Der größere Fehler aber war, dass ich im Vorfeld, in den Tagen zuvor schon zu wenig getrunken habe, und auch ernährungstechnisch kein nennenswertes Carboloading betrieben habe.

Heimo beim Triathlon

Unter Umständen ist das Ereignis aber im größeren Zeitrahmen zu sehen. Ich habe drei Wochen zuvor beim Chiemsee Triathlon teilgenommen, die Vorbereitung dazu ist aufgrund von Zeitmangel nicht gerade ideal gelaufen, das Ergebnis war aber doch recht ordentlich. Für den Karlsfeld Triathlon habe ich mich dann recht spontan noch angemeldet, obwohl der Karlsfeld Triathlon nicht so recht in meinen Terminplan passte, den Wettkampf wollte ich dennoch mitnehmen. Ich wollte sehen was da noch geht. Drei Wochen Abstand war dann vielleicht doch zu knapp für zwei Wettkämpfe die man auf Anschlag läuft. Ich habe ganz klar zu viel gewollt, das war der grösste Fehler. Ich habe mich überschätzt und die äusseren Faktoren unterschätzt.

Wie lange musstest du im Spital bleiben?

Ich musste über Nacht auf der Wachstation bleiben, wo EKG und Blutdruck überwacht wurden. Man wollte einen kardiologischen Grund für meinen Black-Out ausschliessen. Am Folgetag wurden noch weitere Untersuchungen veranlasst, die aber zum Glück keinen Befund brachten. Im Laufe der folgenden Woche musste ich nochmals zum Hausarzt, da mein Blutbild etwas ungewöhnlich war, der HB Anteil war zu niedrig, aber das hing mit der starken Verdünnung durch 3 Flaschen Kochsalzlösung zusammen, die ich bekommen hatte.

Wie lange dauerte es, bis du dich wieder fit zum Trainieren fühltest?

Fit wäre ich eigentlich schon wieder nach ein bis zwei Tagen gewesen. Aber der Schock über den Abwurf hat eher eine mentale Krise ausgelöst. Während der Zwangspause habe ich beschlossen, erstmal sportlich ein paar Stufen runter zu schalten. Ich hatte ganz klar meine sportlichen Grenzen überschritten, da kann man nicht einfach so weitermachen, sonst liege ich in 14 Tagen gleich wieder flach. Nach einer Woche habe ich zumindest wieder mit dem Schwimmtraining angefangen. Das Laufen habe ich aber auf zwei lockere Einheiten pro Woche herunter gefahren.

Welche Tipps kannst du Ausdauersportlern geben, damit sie nicht das gleiche „Time-out“ wie du erleben müssen?

Jeder Wettkampf, der auf Angriff gelaufen wird, sollte ordentlich vorbereitet sein. Die Teilnahme langfristig planen, Vorbereitungswettkämpfe können sinnvoll sein. Wettkämpfe die hinten angehängt werden sind eher sinnlos, da die Luft raus ist und die Regeneration zu kurz kommt.

Bei längeren Distanzen (ab 2 Stunden Belastungsdauer) unbedingt schon an den Tagen vorher viel trinken, und äussere Faktoren wie Wetter sollten bei der Jagd nach Bestzeiten nicht einfach ignoriert werden.

Fühlst du dich bereits wieder fit für Wettkämpfe?

Ich habe bereits wieder an einem Wettkampf teilgenommen, dem Starnbergerseeschwimmen (4km), den bestritt ich aber ganz ohne Druck und zeitlichen Ambitionen. Meine anstehenden Läufe habe ich fürs erste gestrichen. Nach dem Knock-out möchte ich nicht einfach so weiter machen, sondern auf dem Weg nach neuen Bestzeiten etwas inne halten. Als Freizeitsportler besteht die Gefahr sich leicht zu verzetteln, oft laufen Projekte parallel, die 10-km-Zeit will geknackt werden, dort ein Triathlon, hier ein (Halb)Marathon. Man macht alles, aber nix richtig. Zukünftig möchte ich etwas fokusierter an meinen Zielen arbeiten. Weniger Wettkämpfe, diese dann aber ordentlich vorbereiten. Vielleicht 2014 mal einen ordentlichen Halbmarathon. Das einzige was ich für diese Jahr noch geplant habe ist der Bestzeitmarathon Ende Oktober, aber das wird wirklich ein Spasslauf ganz ohne zeitliche Ambitionen.

Danke für das Interview.

Sehr gerne, ich hab ja jetzt Zeit ;-)


» Mit dem Newsletter auf dem Laufenden!