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Nachgefragt - Interviews zum Thema Laufen

Vicsystem 2.0 - der dynamische Trainingsplan

Interview mit Patric Lüthi

Patric Lüthi,
wann hast du das letzte Mal deine Laufschuhe geschnürt?

Ich absolviere täglich ein Lauftraining, in Trainingslagern auch zweimal am Tag, es muss also gestern gewesen sein, oder war ich heute schon laufen?

Du läufst Marathon. Bereitest Du Dich 1:1 mit dem VICSYSTEM darauf vor?

Ja, ich nutze VICSYSTEM, seit ich es entwickelt habe. Es ist das beste und modernste Lauftraining, das ich kenne und ich kann gleichzeitig den stetig laufenden Verbesserungsprozess für das VICSYSTEM aufrechterhalten.

Wann bist du vom Laufvirus angesteckt worden?

Ich war bis Ende 2003 um die 80kg schwer (180cm gross, BMI 24.7) und bin einmal in der Woche lockere 10km durch den Wald gejoggt, in Baumwollkleidung und uralten Laufschuhen. Ein Freund hat mich dabei regelmässig getroffen und gemeint, ich würde ja wohl auch regelmässig laufen und solle doch mal mit ihm zusammen am Zürich Marathon teilnehmen. Habe mich dann für Zürich 2004 angemeldet, das mit dem Übergewicht musste ja mal irgendwann ein Ende haben!

Patric Lüthi, Erfinder und Entwickler von Vicsystem 2.0

Wie kamst du auf die Idee, dynamische Trainingspläne zu entwickeln?

Auf meinen ersten Marathon habe ich mich nach Gratisplänen aus dem Internet vorbereitet. Da ich selbst keine Ahnung von Trainingslehre hatte, kam ich so immerhin in den Genuss von einem strukturierten Trainingsablauf mit den wichtigsten Elementen. Die Disziplin, das auch durchzuziehen war aber wohl entscheidender, als die Qualität der Pläne. An meinem eigenen Körper habe ich schnell gespürt, dass diese Pläne fehlerhaft sein mussten. Die stimmten vielleicht für Läufer, die für den Marathon zwischen 3 und 4 Stunden benötigten, in die Region von 2h30 vorzustossen, war mit diesen Handgelenk-mal-Pi-Geschichten nicht zu denken. So kam der Gedanke, die Sache zuerst sauber zu analysieren und dann für jedermann umzusetzen und zwar über das ganze Leistungsspektrum, von ganz langsam bis mega schnell.

Welches waren bei der Umsetzung die grössten Stolpersteine?

Als Informatiker denke ich analytisch und logisch, eine hohe Komplexität ist für mich keine Abschreckung sondern eine Herausforderung. In den einschlägig bekannten Lauffibeln findet man aber keine mathematischen Formeln, höchsten Standardpläne für verschiedene Leistungsstufen. Auch habe ich keine wissenschaftlichen Abhandlungen über das Verhältnis zwischen Trainingsintensität, Trainingsumfang und Wettkampfleistung finden können, die eine individuelle Berechnung für jedermann zugelassen hätten! Da kam der Gedanke, einen Profi zu fragen, was in der Folge zu einer Zusammenarbeit mit Viktor Röthlin geführt hat. Die zwei Wochen mit ihm zusammen in Kenia waren in Sachen Trainingslehre eine einzige Katastrophe. Mir war nicht bewusst, dass Spitzenläufer viel mehr nach Gefühl als nach System trainieren und dass sie nicht in der Lage sind, mathematisch nachvollziehbar darzulegen, was sie warum, wann und wie schnell trainieren. So habe ich das System selbst erarbeiten und entwickeln müssen. Aufgrund von umfangreichem Datenmaterial wurde, in wissenschaftlich nachvollziehbarer Weise, alles was an Wissen zum Thema Trainingslehre aufzutreiben war, in programmierbaren Formeln umgewandelt und ins VICSYSTEM integriert. Die Spitzenläufer waren trotzdem hilfreich:, wer sonst hätte zum Schluss prüfen sollen, ob die Formeln auch für die Elite ihre Richtigkeit haben?

Printscreen Vicsystem 2.0 - Agenda
Vicsystem 2.0 Agende zum Planen der Einheiten

Wie müssen wir uns die Zusammenarbeit von VICSYSTEM zuerst mit Viktor Röthlin und dann mit Irina Mikitenko vorstellen?

Die Spitzenläufer sind ein wichtiges Bindeglied zu weiteren Spitzenläufern. Erst, wenn man viele verschiedene Trainingsmethoden und die konkreten Trainingsabläufe der Spitze einsehen und studieren kann, ist es möglich, die entwickelte Systematik zu überprüfen und zu verbessern. Über die Betrachtung der Spitzenläufer kann man auch alle wichtigen Komponenten eines umfassenden Trainings zusammenstellen und verfeinern. Aspekte, wie systematisches Krafttraining, Schulung der Koordination und des Gleichgewichtssinns, Lockerung, Regeneration, Schlaf, Ernährung, Nahrungsergänzung, Medizinische Aspekte, autogenes Training und viele mehr erhalten so eine ganz andere Bedeutung. Sie bilden die Mosaiksteine des Erfolgs. Man entdeckt bei den Spitzenläufern aber auch Lücken in der Systematik und muss erkennen, dass eben auch viel Gefühl und persönliche Präferenzen eine Rolle spielen. Zuviel Systematik raubt die Lust und die Motivation für den Sport. Geordnetes Training über 365 Tage im Jahr erfordert auch ein Umfeld, welches eine stressfreie Umsetzung des gewählten Trainings zulässt.

Wie viel Röthlin/Mikitenko finde ich in meinem Trainingsplan?

VICSYSTEM ist gewachsen. Es enthält die Erkenntnisse von vielen Spitzenläufern und Spitzenläuferinnen und mittlerweile auch die umfassende statistische Basis von über 10‘000 Mitgliedern und Millionen von absolvierten Trainingseinheiten. Läuferinnen wie Irina Mikitenko stellen den Link zu den neusten Erkenntnissen bei der absoluten Top Elite her und erlauben uns, auch neue Aspekte von heute und morgen einfliessen zu lassen. Wenn mehrere Spitzenläufer eine neue Methode praktizieren und damit auch Erfolg haben, ist für uns Zeit, die entsprechenden Formeln auszuarbeiten und auf unsere Kunden anzupassen. Dabei müssen wir aber immer auch berücksichtigen, dass unsere Kunden bis auf ein paar Ausnahmen keine Spitzensportler sind. Es wäre aber falsch zu denken, dass man als Hobbyläufer dank VICSYSTEM genau gleich wie eine Spitzenläuferin trainiert! Das würde gar nicht funktionieren. Erkenntnisse und Aspekte des Trainings an der Spitze kann man nicht einfach kopieren, nicht einmal die Spitzenathleten selbst kopieren Ihre Pläne, z.B. die aus dem letzten Jahr, welche vielleicht eine neue PB hervorbrachten. Es ist ein Irrglaube, dass so etwas funktioniert. Auch das kann man bei den Spitzenläufern lernen, die Variation des Trainings ist ein Teil des Erfolgs. Einmal alles ganz anders machen, aber natürlich immer noch wohl dosiert, ist auch Bestandteil des VICSYSTEMs.

Mit welchen Plänen hast du vor der Zeit des VICSYSTEM trainiert?

Ich habe alles Mögliche aus dem Internet runtergeladen, Highlight waren aber die Abhandlungen von Peter Greif. Kernige Sprüche gepaart mit harten Vorgaben können eine Zeitlang motivieren und auch Leistungssteigerungen hervorbringen. Doch irgendwann kommt das Übertraining und weitere Motivation ist kontraproduktiv.

Patric Lüthi, Entwickler von Vicsystem 2.0

Wenn ich ein aktuell erfolgtes Training eingebe, welche „Rädchen“ drehen sich im Hintergrund des Planes?

Nicht alle Werte, die beim Feedback zu einem Training eingegeben werden, führen sofort zu einer Neuberechnung und einer Anpassung des Trainingsplans. So viele Rädchen drehen da gar nicht, dafür die richtigen! Wir betrachten die Entwicklung eines Läufers über einige Wochen und Monate und lassen einem einzelnen Training keine so grosse Bedeutung zukommen. Ein einzelnes Training kann super gut laufen, weil die Erholung in den vergangenen Tagen gut funktioniert hat, es kann auch in die Hosen gehen, weil man zu wenig Schlaf hatte oder in den Tagen zuvor vielleicht mehr gemacht hat, als der Plan verlangt hat. Die seriöse Trainingslehre kann sich auch nicht an den Werten eines Einzelnen orientieren. Deshalb fliessen mehrere Trainingseinheiten von mehreren Läufern in einem ähnlichen Leistungsbereich ein und bilden ein Gesamtbild, welches dann auch zu Anpassungen führen kann, die gleich mehrere Läufer betreffen. Dein Training beeinflusst also auch die Trainings der anderen.

Das VICSYSTEM ist in einer neuen, frischeren Version erschienen. Welches sind die wichtigsten Veränderungen?

Die Woche hat 7 Tage, deshalb trainieren viele Läufer und überhaupt die meisten Sportler auch nach einem 7-Tage-Rhythmus. Aus unserer Sicht ist das willkürlich und unter Umständen falsch! Deshalb lassen wir auch andere „Wochen“ zu. Von der 6-Tage-Woche bis zur 14-Tage-Woche ist alles abgedeckt. Tönt komisch, ist aber so! Wenn ich im Alter von 47 Jahren einen 38km-LongRun in 2h40 laufe, dann muss ich mich mehrere Tage davon erholen, kann also nur moderat trainieren. Nach drei oder vier Tagen ist wieder an ein Intervalltraining oder einen Tempolauf zu denken. Wenn dann nach 7 Tagen schon wieder ein LongRun ansteht, bringe ich die anderen ebenso wichtigen Trainingseinheiten gar nicht in meine „Woche“. Ich trainiere deshalb nach einer 8-Tages-Periode. So bleibt mir genügend Zeit für die Regeneration zwischen den harten Einheiten und diese können dafür härter ausgelegt werden. Meines Wissens ist VICSYSTEM das einzige Tool, das so etwas kann! Wer jünger ist und dafür eine 6-Tages-Woche wählt, hat ein dichteres Programm und mehr harte Belastungen pro Zeiteinheit. Entsprechend schwächer legt VICSYSTEM die Anforderungen für einzelne Einheiten fest, ganz dynamisch und individuell eben! Natürlich wurde auch das Design komplett überarbeitet und viele zusätzliche Verbesserungswünsche berücksichtigt, die unsere Mitglieder eingebracht haben. Zurzeit sammeln wir munter weiter für die nächste Version.

Warum sollte sich ein Läufer oder eine Läuferin auf einen Wettkampf mit deinem VICSYSTEM vorbereiten?

VICSYSTEM garantiert ein wissenschaftlich fundiertes und sauber strukturiertes Training zu einem erschwinglichen Preis. Es bringt Belastung und Erholung in ein ausgewogenes Verhältnis und ermöglicht es dem Körper, sich optimal anzupassen, eine Leistungsverbesserung herbeizuführen und sich perfekt auf den anstehenden Wettkampf vorzubereiten. Dank der ausgeklügelten Periodisierung schafft man es auch, genau am Stichtag in Topform zu sein. Das klappt allerdings nur, wenn man sich möglichst genau an die Vorgaben hält. Aber genau das suchen viele unserer Kunden, einen „Trainer“, der ihnen sagt, was sie heute tun sollen.

Welches ist dein nächstes, persönliches Laufziel?

Ich möchte noch viele Jahre laufen und dabei in meiner Altersklasse immer ganz vorne mit dabei sein, also auf jeden Fall top Ten oder sogar Treppchen. Das bedeutet, ich darf täglich trainieren und zudem mindestens 2 mal pro Woche ins Krafttraining, 1 mal pro Woche in die Massage, im Jacuzzi Luftblasen zählen, immer gut essen, viel schlafen, viele Länder und Laufstrecken erkunden, neue Leute kennenlernen und dabei ganz einfach das Leben geniessen. Dabei sind Wettkämpfe sekundär. Aber ein bis zwei Mal pro Jahr ein Marathon, dazwischen ein bis zwei kürzere Strecken, das ist immer willkommen. Dabei lege ich höchste Priorität auf die ganz schnellen Trainingseinheiten. Gerade, weil ich eher lange Strecken laufe, wäre eine neue persönliche 5‘000m Bestzeit die wahre Herausforderung, vielleicht erhebe ich das zu meinem nächsten Laufziel.

Was verpasst ein Nichtläufer in seinem Leben?

Der Nutzen für die Gesundheit und das persönliche Wohlbefinden ist so hoch, dass es sich schlicht und einfach lohnt. Also, liebe Nichtläufer: Fahrt wenigstens Rad oder geht regelmässig schwimmen oder rudern oder klettern, Hauptsache, der Puls beträgt mindestens 30 bis 60 Minuten pro Tag das Zweieinhalbfache des Ruhepulses. Wer noch gar keinen Ausdauersport betreibt kann auch mit 80 Jahren noch anfangen, es ist nie zu spät. Und liebe Eltern mit Kindern: Geht mit gutem Beispiel voran, treibt Euch erstens selbst durch die Wälder und nehmt zudem Euren Nachwuchs in den Schlepptau, Burger und Fritten gibt’s höchstens als Belohnung!

Patric Lüthi, herzlichen Dank für das Interview.


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