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Lauftraining der Kenianer

Das Geheimnis der Kenianer - eine Trainingswoche in Iten, Kenia

Gastbeitrag von Anja Prieler-Kemboi, Leistungsathletin aus Klagenfurt

"Haijalishi vipo chenye unafanya inajalisha" - "Wichtig ist nicht wo du bist – sondern was du tust, dort wo du bist!" (Sprichwort aus Kenia)

Home of the Champions, Iten Kenia

Bestimmt hast Du dir auch schon manchmal die Frage nach dem Geheimnis kenianischer Läufer gestellt. Die fliegengewichtigen Männer und Frauen, die wir nur an der Startlinie und am Treppchen der Siegerehrungen zu Gesicht bekommen. Die mit leeren Blicken, scheinbar jeglichen Schmerz aushaltend, ihre Körper bei jedem Wettkampf bis zur maximalen Leistungsfähigkeit zwingen, um dann kaum erschöpft das Siegerinterview mit „It was easy, no problem“ beginnen . Es scheint so, als hätten diese Menschen das Laufen erfunden. Weltrekordmann David Rudisha’s Erfolgstrainer Brother O’Connoll sagt: „The secret is, that you think there is a secret!“ Aber ist es wirklich so einfach erklärt?

Ich sage, das Geheimnis liegt in der harten Arbeit, die jeder Einzelne hier Tag täglich leistet, denn die Kenianer wissen nicht nur, wie man schnell läuft, sie wissen auch, wie man schnell wird!

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Der Tag der Athleten beginnt um 5:50 Uhr. Spätestens dann kräht nicht nur der Hahn, sondern vor allem der Handywecker. Ist es nicht der eigene Wecker, so wird man bestimmt von dem des Nachbarn geweckt, der sicher auch Läufer ist und eine Halbmarathon-Zeit von 62min vorweisen kann. Aufstehen, orientieren, anziehen, rein in die Laufschuhe und ab auf die Piste.

Lauftraining der Kenianer

Iten - wir sind inmitten des Rift Valleys in dem kleinen 5000-Einwohner-Örtchen, 300km von der Hauptstadt Nairobi entfernt, das sich schon längst als die Welthauptstadt des Laufens bekannt gemacht hat und sich „home of champions“ nennt. Alles was Rang und Namen hat, vom 800 m- bis zum Marathonläufer, trainiert und lebt hier. Auch wenn man es vielleicht gar nicht ist: Angetrieben von der ganzen Atmosphäre fühlt man sich zumindest gleich viel schneller, sobald man die ersten Laufschritte getätigt hat. Die vielen Laufgruppen treffen sich täglich zum Training bis auf Sonntag, denn das ist der sogenannte „church day“. Die meisten Athleten sind jedoch oft zu müde, um in die Kirche zu gehen. Da wird der Tag schon eher zum Laufgewand und Schuhe waschen genutzt: Kenias rote Erde kann in so einer Trainingswoche schon mal ein paar Spuren hinterlassen.

Das Training wird jede Woche gleich gestaltet, nur Dienstag und Donnerstag – die Intervall-Tage - sind unterschiedlich. Den immer gleich bleibenden Rhythmus brauchen die Kenianer, um mental nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen. Training ist hier kein Spass, auch kein Ausgleich – es ist ein Job für jeden einzelnen und diese Arbeit wird ernst genommen. Es geht nicht darum, Spass beim Laufen zu haben - es geht ums Überleben. Da kann es schon mal sein, dass man den Satz „running is not a joke“ zu hören bekommt.


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