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15. Winterthur Halbmarathon 2013 - Persönlicher Laufbericht

Warum in Winterthur laufen?

Schon zum 9. Mal in Folge habe ich mich für den Winterthur-Halbmarathon angemeldet. Ursprünglich wollte ich nebst dem Greifenseelauf im September einfach noch einen zusätzichen Jahres-Fixpunkt im Mai haben. Der Lauf ist sehr abwechslungsreich, aber vom Terrain her auch anspruchsvoll: Ein grosser Teil Naturwege, davon eine nicht zu unterschätzende Wurzelstrecke der Töss entlang. Der Lauf führt vom Rande der Altstadt um den Eschenberg und zurück in die Stadt. Mit einem Teilnehmerfeld von 2500 bis 3000 Läuferinnen und Läufern in allen Kategorien ein familiärer Anlass, der damit auch einen gewissen "Charme" ausstrahlen kann.

Wird es trocken bleiben?

Frühmorgens zeigte sich überraschenderweise die Sonne

Im Hinblick auf den Sonntag waren die Prognosen schon länger schlecht: Kaltfront und viel Regen. Am Samstag sah es dann so aus, als würde Petrus seine Schleusen für die Dauer des Laufes mit grosser Wahrscheinlichkeit schliessen. Das war ja eine Aussage.

Als ich um sieben an der Haltestelle auf den Bus wartete, teilte sich plötzlich die Wolkendecke wie bei Moses das Meer und die Morgensonne strahlte mich schelmisch an.

In Winterthur angekommen war es kühl und windig, aber trocken. Mit den vielen bunten Schirmen, Ständen und Läuferleibchen wurde die altehrwürdige Reithalle in festliche Farben getaucht. Startnummer abholen, umziehen und aufwärmen. Beim Wertsachendepot machte ich Bekanntschaft mit Hansi, der auf mein Bitten dafür gesorgt hatte, dass es in Winterthur-Seen dieses Jahr nicht nur Seen geben würde.

Wehe, wenn sie losgelassen!

Die Eulachschränzer heizten kurz vor dem Start um halb zehn die Halbmarathon-Startformation tüchtig ein, während der offizielle Speaker entweder krank oder mindestens etwas untermotiviert war. Tipp: Beim Greifensee mal vorbeihören und ein paar Sprüche aufschreiben...

Während in Uster der bevorstehende Start laut zelebriert wird, ertönte in Winterthur einfach ein Knall. Da ich die Uhr nicht sehen konnte, war ich mir nicht ganz sicher, ob es nun das Startzeichen war oder sich ein gelangweilter Hochtöner eines Lautsprechers in Luft augelöst hatte.

Der farbige Tatzelwurm ergoss sich in die Strassen von Winterthur. Obwohl ich nicht sehr weit vorne war, drückte das Feld ganz gehörig auf die Tube. Das hatte den Vorteil, dass sich die vielen Läuferinnen und Läufer schnell verteilten und in meinem Bereich kein grosses Gedränge aufkam.

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Rechts erhob sich mächtig die Schrägseil-Hängebrücke über den Bahnhof. Ein Zeichen, dass jetzt bald der märchenhafte Eichliwald mit den würzigen Bärlauch-Düften folgen würde.

Ich bin dieses Mal nicht zu schnell gestartet und laufe vom Gefühl her in einem angenehmen Tempo. Die ersten zwei Kilometertafeln habe ich verpasst. Bei der dritten stellte ich fest, dass ich mich gegenüber der geplanten Pace von 4:30 bis 4:33 in leichtem Rückstand befand.

Nach km 6 folgte der Wendepunkt und der Wechsel auf den Naturweg der Töss entlang. Der Wurzelweg, der besondere Vorsicht erffordert. Ich achtete darauf, keine Füsse direkt vor mir zu haben, um den weichen, rutschigen Stellen, den Pfützen oder Wurzeln rechtzeitig ausweichen zu können.

Der Platzregen

Bis Kilometer 12 blieb es trocken. Dann reichte Petrus Kraft nicht mehr, um den Schleusenmechanismus zu bändigen und ein Platzregen ergoss sich über das Leisental und unsere Köpfe. Wer Glück hatte, befand sich in bewaldetem Gebiet und kam etwas weniger vom Nass ab. Man lief etwas schneller, um dem Regen, der Kälte und dem inneren Schweinehund zu entkommen.

Unterhalb der Kyburg war der Spuk schon wieder vorbei. Mein "Rückstand" auf meine angepeilten 1:35:00 wuchs auf eine Minute an. Trotzdem wollte ich das Pulver nicht zu früh verschiessen und mich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Der Seemer Buck mit der saftigen Steigung war noch vor uns.

Kopfsache - reine Kopfsache

Nach der 10-km-Marke startete ich den Versuch, den Rückstand etwas zu minimieren. Kaum hatte ich das Tempo ganz leicht verschärft, schweiften meine Gedanken ab und ich rutschte wieder in den 1:36er-Trott.

Der innere Schweinehund

Nach dem Verpflegungsposten bei km 16, in Sennhof begann ein Ping-Pong-Spiel mit dem inneren Schweinehund um mir. Er meinte, ich könnte doch "locker" das momentane Tempo beibehalten und mit einer 1:36er-Zeit ins Ziel laufen. Ich wusste, dass mehr möglich war und kämpfte gegen müde Beine, den inneren Schweinehund und etwas gegen die Höhenmeter am Seemer Buck.

Immer wieder "ertappte" ich mich. Zog das Tempo wieder an. Ein Kampf, der vor allem im Kopf stattfand. Alles, was rundum passierte, wurde ausgeblendet.

Dann rollten wir den Seemer Buck Richtung Aussenquartiere hinunter. Hier konnte ich perfekt wieder Zeit gutmachen und mein Minus-Kontostand wurde langsam hellrot.

Die Mühen der letzten zwei Kilometer

Zielbereich Winterthur Marathon und Halbmarathon

Bei km 19 wusste ich, dass ich meine Bestzeit vom letzten Jahr (1:35:43) knacken würde. Die mühsamen zwei Kilometer auf zwei langen Geraden und hartem Asphalt lagen vor mir. Da habe ich immer zu kämpfen. Und das kommt mir allenthalben sehr, sehr lange vor.

Km 20 knapp unter 1:30! 8 Wochen spezifisches Training. Über 400 Trainingskilometer hartes Training. Da wird nichts auf den letzten Metern verschenkt. Ich mobilisierte alle Kräfte - das reichte für eine Pace von 4:00 und - im Ziel für eine wunderbare Zeit von 1:33:57.

Emotion pur. Deshalb laufe ich. Deshalb trainiere ich. Egal, bei welchem Wetter.

Dieses Jahr bereitete ich mich mit dem Flex21sprint vor. 2012 trainierte ich mit dem Running.Coach (Endzeit 1:35:43). Für alle, die gerne einen kostenlosen, an die persönliche Form anpassbaren Halbmarathon-Trainingsplan suchen: Trainingspläne von Lauftipps.ch.

Halbmarathon, 1:33:57 h, 4:27 min/km, Adidas Snova Sequence 4

Vor 8 Jahren, meinem ersten Halbmarathon in Winterthur, brauchte ich als junger, 40 jähriger Mann noch 2:01:25...

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