13. Winterthur Halbmarathon 2011
Persönlicher Laufbericht
Zum 7. Mal nahm ich am Winterthur Halbmarathon teil. Das erste Mal nach meinem Zürich-Marathon. Ein spezielles Erlebnis, nur die "Hälfte" laufen zu müssen.
Die Flasche Wein, ein feiner "Chardonnay", habe ich schon am Tag davor zur richtigen Temperierung kühl gestellt. Nach einem Wettkampf koche ich mir immer "Penne frutti di mare" mit viel Knoblauch, welcher am Anfang in Olivenöl langsam angedünstet wird. Ein Wink zu einem Kollegen, der mir geschrieben hat, dass es doch einmal interessant wäre, Rezepte für Läuferinnen und Läufer auf Lauftipps.ch zu präsentieren.
Früher Start in den Sommermorgen
Um in Winterthur am Start sein zu können, mustes ich für einen Sonntag früh aus den Federn. Der Bus fuhr vor der Haustüre um 7.15 Uhr ab. Die Sonne blinzelte schon durch den kühlen Sonntagmorgen. Die Strassen noch ruhig und leer. Im Neigezug liess ich mich umrahmt von auserlesenen Musikstücken nach Winterthur schaukeln.
Ein Mäuse-Bussard zog am teifblauen Himmel seine Kreise. Werde ich dieses Jahr auch davonziehen können?
Besseres Timing
Während ich in den letzten Jahren relativ knapp vor dem Start eingestanden bin und Schwierigkeiten hatte, nach vorne zu kommen, habe ich mir heuer vorgenommen, rechtzeitig meinen Platz im Starterfeld zu bekommen. Das Einwärmen absolvierte ich auf dem letzten Wettkampfkilometer, um mir Fixpunkte für den Schluss des Rennens zu merken.
Startschuss bei idealen Wetterverhältnissen
Um 9:30 Uhr fiel der Startschuss zum 7. Winterthur-Halbmarathon. Das farbige Läuferfeld schob sich durch die Strassen Winterthurs. Die zwei ersten Kilometer fallen immer etwas hektisch aus: Das Läuferfeld muss zuerst verteilt, waghalsige Überholmanöver toleriert werden und alle hoffen, dass einem von hinten niemand auf die Füsse steht.
Die erste Kilometermarkierung verpasste ich. Nach der zweiten wusste ich, dass ich zu schnell unterwegs war. Bremsen, bremsen! Jede Minute, die ich zu schnell unterwegs bin, kostet in der zweiten Hälfte des Rennens das Doppelte. So ging es wie so oft eine Weile, bis ich meinen Rhythmus, mein Tempo und meine "Ruhe" gefunden hatte.
Entlang des Bahnhof und vorbei an der schönen Schrägseil-Hängebrücke ging es Richtung Natur: Der Weg mündete links in ein dichtes Waldstück, durch dessen Blätter-Tor wir in eine andere Welt tauchten. Die Augen gewöhnten sich nur langsam an das gedämpfte Licht. Die feuchte, frische Waldluft empfing uns mit ihren besten Duftnoten. Die spärlichen Lichtspiele, welche durch das dichte Blätterdach auf den Weg gebeamt wurden, verzauberten den Wald zursätzlich.
In der Wald-Kathedrale
Der Weg wurde langsam wieder breiter, die Bäume höher und es kam mir vor, als sei ich in einer Wald-Kathedrale unterwegs. Der breitere Weg war angenehm zu laufen und schon war die erste Spitzkehre beim Stafetten-Wechsel vor uns. Der Weg führte nun direkt der Töss entlang in entgegengesetzter Richtung. Die Töss, durch den spärlichen Regen der letzten Monate richtig ausgehungert, machte einen erbärmlichen Eindruck. Breites Bachbett mit viel Steinen und Schotter - kleines Bächlein, welches dem Namen keine Ehre mehr machen konnte!
Vollste Konzentration erforderten die schmalen Wurzelwege. Aber genau diese Abwechslung der Strecke macht den Reiz von Winterthur aus. Keine Strecke für schnelle Zeiten - eine Strecke für alle Sinne und fürs Gemüt.
Halbzeit und erste Hochrechnung
Der 10. Kilometer kam näher. Tempo kontrollieren und Taktik für die nächsten Kilometer zurechtlegen. Ich war gut mit meinem Marschplan unterwegs und konnte für die ersten 10 Kilometer sogar ein kleines Zeitpolster anlegen: 47:06. Eine Zielzeit um 1:38:00 war so nah wie noch nie.
Auf dem Weg durch das Leisental schloss ich auf einen extrem jungen Läufer auf, der mit 14 schon seinen ersten Halbmarathon lief. Hut ab! Bis zum 15. Kilometer kurz vor Seen gab es immer wieder kleine Endorphin-Schauer, welche zusätzlich für gute Laufstimmung sorgten. Es lief einfach perfekt und ich hatte nun schon eine Minute gut gemacht.
Der saftige Anstieg nach dem Weiler Sennhof erinnerte mich stark an meine Hausrunde. Kein Problem für meine Beine. Die sind sich das wirklich gewohnt. In der Waldpassage munterte ich einen Mitläufer auf, der am Gehen war. Das letzte Waldstück geniessen - dann geht es wieder an die pralle Sonne.
Die zwei letzten Kilometer sind immer die längsten
Klar. Sie sind ja auch 100 Meter länger (21.1km). Die Naturwege vor Winterthur-Seen führten ganz leicht abwärts. Eine willkommene Sache, wenn die Beine langsam schwer zu werden drohen.
Nun ging es wieder auf Asphalt durch die Vorstadt von Winterthur. Die Beine liefen, die Lungen pumpten eine Unmenge an Sauerstoff in den Blutkreislauf. Die Strasse wurde wieder vermehrt von anfeuernden Zuschauern gesäumt.
Kilometer 19. Die zwei letzten Kilometer lagen vor mir. Rechnen vermochte ich nicht mehr. Der Sauerstoff wurde anderweitig verbrannt. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir jedoch, dass eine 1:36-er Zeit knapp möglich sein könnte, wenn ich jetzt noch etwas auf die Tube drückte.
Endspurt
Das machte ich. Die letzten zwei Kilometer konnten mir nichts mehr anhaben. Ich zog das Tempo an. Der Puls stieg und stieg. Die Beine wirbelten und ich sammelte Sekunden um Sekunden für meine Endzeit. Alle negativen Gedanken versuchte ich im Keim zu ersticken. Ich schaffte das, wenn ich wollte. Ausruhen konnte ich mich fünf Minuten später.
Die blau leuchtenden Fassaden einer neuen Überbauung zeigten mir, dass es nicht mehr weit sein würde. Eine S-Kurve in der Nähe der Männergarderoben folgte noch - und der Endspurt ins Ziel.
Ich drehte nochmals auf und rannte mit einer unglaublichen Zeit von 1:36:57 über die Ziellinie. Ich hatte es geschafft, die alterskorrigierte Bestzeit von 2010 um ganze zwei Minuten zu unterbieten. Der Hammer!
Jahrelang gelangen mir nur kleine Schritte - endlich einmal wieder ein grosser...
...und gemäss Pulsuhr habe ich einen neuen Maximalpuls: 194 (alt 189). Dabei dachte ich immer, der sinke im Laufe des Alterns...




