Winterthur-Halbmarathon 2010

Nach der etwas verpatzten Laufsaison 2009 startete die neue eigentlich ganz gut. Den Winter hindurch tüchtig aerobe Ausdauer trainiert, ab Februar Schnelligkeitstraining absolviert - und pünktlich auf den Männedörfler-Waldlauf erwischte ich einen Husten, der meine Bronchien so stark reizte, dass ich das dritte Mal in Folge besser auf den Waldlauf verzichten würde.
"Nach vorne schauen" - das ist wichtig. Zwei Wochen nach dem ausgelassenen Wettkampf lief ich einen 10-km-Testlauf, welcher eine Bestätigung für das optimale Training gab.
Auf den Winterthurer-Halbmarathon 2010 setzte ich mir zum Ziel, endlich den flexiblen Trainingsplan Flex21sprint nochmals zu testen und fertig zu stellen und wieder einmal eine gute Zeit um die 1:40 zu laufen.

6 Grad am 16. Mai 2010 und Bremsklötze an der Spitze
Der Tag begann kühl. Das Thermometer zeigte 6 Grad. Es regnete. Auf der Busfahrt zum Bahnhof waren die Blumenwiesen die einzigen Farbtupfer in diesem grauen Regen-Sonntag.
Die Prognosen für Winterthur waren da bezüglich Regen besser: Eigentlich sollte es trocken bleiben. Die rund 10 Grad stufe ich als ideale Lauftemperatur ein. Mal was anderes als ständig Schweissbäche über das Gesicht.
Ab Ankunft des Zuges in Winterthur bis zum Halbmarathon-Start hatte ich nur gerade eine knappe Stunde Zeit. Da kommt bei so einem gedrängten Programm gar keine Vorstart-Nervosität auf: Startnummer holen, Wertsachen abgeben, Garderobe aufsuchen, Umziehen, Startnummer befestigen, letzte Details an der Wasserver- und entsorgung regeln. Und schon stehst du mitten im Starterfeld und siehst erstaunt, dass es innerhalb von zwei Minuten gleich losgehen würde.
Kann es. Ich bin bereit. Schuss - und der Tatzelwurm mit den langsamsten Läuferinnen und Läufer an der Spitze setzt sich in Bewegung. Warum, liebe Läuferinnen und Läufer, müssen 2:00:00-Absolventinnen und Absolventen immer in der vorderen Hälfte einstehen? Haben die noch nicht begriffen, dass die Zeit erst läuft, wenn man über die Start-Matte läuft? Na gut. Nicht aufregen! Die Dutzenden von Bremsklötzen und -innen im vorderen Feld elegant umschiffen und aufpassen, nicht auf eine solche aufzulaufen...

Wurzeln, Pfützen und Bärlauch-Dulix
Nach dem Frohbergpark war das Läuferfeld einigermassen gesiebt und ich konnte das angestrebte Wettkampftempo von 4:45/km sehr gut halten.
Es lief perfekt. Die Kilometertafeln folgten so schnell aufeinander, dass ich zwei davon gar nicht bemerkte. Das war ein sehr gutes Zeichen für das angeschlagene Lauftempo. Die Waldpassage kam und der Läufer-Dulix-Odeur ging im frischen Bärlauch-Geruch vollständig unter.
Der befestigte Waldweg wurde nach einer Haarnadelkurve vom weichen Waldboden abgelöst und die schweren nassen Blätter drückten die Äste weit in die Laufstrecke hinein. Der wohl intensivste Teil der Strecke folgte mit vielen weichen, sumpfigen Stellen, Pfützen, Holzbrücken und Wurzeln. Da war Konzentration und Abstand gefragt, um nicht zu stolpern, auszurutschen oder in einer der vielen Pfützen zu ertrinken. Dafür entschädigte das laute Rauschen der Töss für alle Konzentrationsmühen.
Punktlandung
Der 10. Kilometer kam so schnell, wie er auch wieder verschwunden war und zeigte, bis jetzt, eine perfekte Übereinstimmung mit der Laufzeitprognose.
Leider kam das Runners High diesmal nicht herübergeschwappt, sondern stellte sich mehr unterschwellig ein. Keine mentalen, keine muskulären Probleme. Wasser brauchte es heute auch nicht viel. Der Aufstieg nach km 16 liess mich genausowenig keuchen wie die vergangenen Kilometer und "hinten" runter liess ich es so richtig rollen.
Die zwei harten Kilometer kamen für mich erst: Die letzten zwei auf Asphaltwegen, beinahe schnurgerade und nicht enden wollend. Aber da mobilisierte ich die aufgesparten Reserven und zog das Tempo nochmals so richtig an.
Die Strecke vor der letzten S-Kurve unterschätzte ich ein bisschen. Sie war doch länger als vermutet, aber so kurz vor dem Ziel die Zunge raushängen lassen? Nach so langer Vorbereitungszeit? Nein. Jetzt die hinteren Beine nach vorne und durch.
Mit einem tollen Gefühl überquerte ich in 1:38:27 die Ziellinie und verbesserte den alten, altersbedingt korrigierten Wert von 2008, um eine halbe Minute.
Auswertung
- 2008: 1:38:07 (Da ich zwei Jahre älter bin und die VO2-Max ca. 0.5% pro Altersjahr abnimmt, entspräche das einer Zeit von 1:39:05 - Altersvergleiche von Leistungen)
- 2009: 1:50:56 (6 Wochen Trainingsausfall wegen zweier Finger-Operationen.)
- 2010: 1:38:27

Den Winterthur-Halbmarathon 2010 habe ich genau nach dem Trainingsplan Flex21sprint über 8 Wochen vorbereitet. Die Prognose lautete 1:38:18 (ohne Berücksichtigung des Wettkampf-Profils).
Gelaufen bin ich den Wettkampf mit der Taktik "zweite Hälfte etwas schneller". Die Daten dafür können mit dem Zwischenzeitenrechner generiert werden.




