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Winterthur Halbmarathon 2008

Dauerregen oder trocken?

Ich öffne um zehn nach sieben die Haustür und werde von einem süsslichen Blütenduft empfangen. Der Regen hat deutlich nachgelassen. Da der Start erst um 9:30 Uhr sein würde, konnte ich bequem vor dem Haus den ersten Bus Richtung Stadt nehmen.

An den vergangenen Sonntagmorgen habe ich diesen Bus, mit welchem ich nun zum Hauptbahnhof unterwegs war, auf dem Nachhauseweg vom langen Lauf getroffen.

Gibt es Regen oder wird der Lauf trocken?

Der Marktplatz war wie ausgestorben um diese Zeit: Eine Frau sass verloren unter dem riesigen Calvatrava-Glasdach, gleich daneben unter freiem Himmel stand ein Pferd. Weil in nächster Zeit der CSIO, ein Pferdewettkampf, stattfindet, haben die Veranstalter überall in der Innenstadt verschiedene Pferdeskulpturen ausgestellt.

Der Regen hatte aufgehört. Im Niederschlagsradar von heute Morgen war eine Front zu erkennen, die weiter östlich von Winterthur die Schweiz streifte. Vielleicht hatten wir ja heute Glück.

Eine Stunde später stand ich an, um die Startnummer und das Finisher-Shirt zu holen. Dies ging diese Jahr viel rascher als im 2007. Umziehen, aufwärmen und im Startbereich einstehen. Die Eulachschränzer sorgten dafür, dass schon im Startbereich Stimmung aufkam und heizten mit ihren Rhythmen tüchtig ein.

Eschenberg - Töss - Leisental

Dann der Startschuss und die Läufermasse begann sich, wellenartig auch vorne über die Startlinie zu schieben. Die ersten drei Kilometer führten parallel zum Bahngleis Richtung Eschenberg. Dann ging es über Naturstrassen in den kühlen, von Bärlauch-Duft gefüllten Wald entlang der Töss. In diesem Bereich zog sich das Läuferfeld auch schön auseinander und jeder suchte seinen persönlichen Laufrhythmus.

Mein Ziel war, eine 1:40:00 wie im 2007, oder, wenn es klappte, eine 1:38:00 zu laufen. Den Rhythmus fand ich schnell, das Tempo war sehr angenehm und die Zwischenzeit bei km 4 stimmte. Etwas später stellte ich fest, dass ich leicht schneller wurde und korrigierte den folgenden Kilometer etwas. Eine gute Taktik ist immer das A und O eines Wettkampfes. Ich wollte auf Nummer sicher gehen, dass ich die zweite Hälfte etwas schneller laufen könnte. Das wäre nicht nur optimaler, sondern mental auch viel aufbauender. Die Taktik ging auf. Bis zum 12 Kilometer hielt ich das angenehme Tempo problemlos durch. Dann drehte ich etwas auf, weil mir klar war, dass ich noch genügend Reserve hatte.

Das erste Mal seit drei Jahren lief ich wieder ohne Trinkflasche und fasste bei den Verpflegungsposten nur etwas Wasser. Zwar brachte mich das nach km 4 etwas aus dem Rhythmus und ich hatte kurz Seitenstechen, was mir seit Jahren nie mehr passierte, aber es ging schnell wieder vorbei.

Runners High pur

Winterthur Halbmarathon

Ich hatte wirklich ein gutes Tempo erwischt. Das zeigte sich nach einem kleinen, scharfen Anstieg um Kilometer 13: Wie eine Brandungswelle schwappten die Endorphine durch meinen Körper. Ein  Runners High wie es im Bilderbuch steht hatte mich überwältigt und trug mich die nächsten Kilometer über die Halbmarathonstrecke. So eine starken "Laufrausch" hatte ich schon lange nicht mehr, genauer am Greifenseelauf 2005.

Das entschädigte mich für alle harten Trainingseinheiten und für alle Läufe, welche ich mit grosser Überwindung oder mangelnder Motivation startete.

Die letzten beiden Kilometer führten vom Eschenberg wieder ins Startzentrum zur Reithalle zurück und ich steigerte nochmals leicht das Lauftempo. Viele Leute säumten den Weg und spornten uns lautstark an.

Eine scharfe Ecke bei km 21 und die letzten 100 Metern auf der Zielgerade folgten. Ich genoss den Zieleinlauf und drückte erleichtert und immer noch vom Runners High eingenommen die Taste.

Das Vicsystem hatte mir zwar schon länger eine 1:33:00 prognostiziert, aber mir war schon immer klar, dass ich eine solche Zeit mit drei Trainingseinheiten pro Woche (noch) nicht schaffen würde. Mein Laufrechner war da realistischer: 1:38:47 schlug er vor - 1:38:07 bin ich gelaufen.

Damit konnte ich meine bestehende Bestzeit in Winterthur zum dritten Mal in Folge knacken:

Auf dem Weg zum Bahnhof klarte es nochmals etwas auf und ich setzte mich für einen gemütlichen Espresso in ein Strassencafé, welches gerade aufmachte. Ich wurde mit einem "Guten Morgen" begrüsst. Für die Angestellten begann der Sonntag - ich hatte schon einen Halbmarathon in den Beinen. Nach dem Kaffee ging's im Neigezug mit einem überaus zufriedenen Gefühl zurück Richtung St. Gallen.

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