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Winterthur Halbmarathon 2007

Halbmarathon in Winterthur

Sonntag, 20. Mai 2007
Je näher der Wettkampfsonntag kam, desto sommerlicher wurde der Wetterbericht. Der kritische Blick darauf versprach schwül-warme 26 Grad. Nicht gerade mein Ding. Aber vielleicht können wir auf ein kühles Lüftchen hoffen und die neue Streckenführung des Winterthur-Halbmarathons versprach angenehme Naturwege und grosszügige Waldpassagen. Zudem würde die Töss (Fluss) im Leisental als Klimaanlage wirken.

Die Vorbereitungen auf den Halbmarathon liefen mir sehr gut und ich hatte bezüglich Ernährung / Trinken meine Erfahrungen gesammelt und daraus für mich Änderungen abgeleitet. Bei den zu erwartenden Temperaturen müsste ich eine Zeit von 1:45 laufen können, doch das wird sich noch zeigen.

Der Sonntag begann so richtig sommerlich: Dünne Schleierwolken zogen sich über den Bodensee, die Sonne schien schon kräftig, doch die Temperatur lag mit 12 Grad noch auf der frühlingshaften Seite.

Mit dem Zug fuhr ich nach Winterthur und spazierte gemütlich zum neuen Startort, der Reithalle. Nach dem Abholen der Startnummer und des Chips drückte ich mich an der langen WC-Schlage, welche die ganze Treppe ins Untergeschoss säumte, vorbei. Die Garderoben waren völlig unterdotiert für die grosse Anzahl Läufer! Taschen über Taschen stapelten sich, keinen Platz mehr zum Sitzen. Also schnell umziehen und wieder hoch, wieder der länger werdenden WC-Schlange vorbei. Auf der Hinterseite der Reithalle strich ein angenehmes Lüftchen vorbei und ich montierte dort die Startnummer und den Chip.

Im Gegensatz zu anderen Jahren war ich vollkommen ruhig – keine Spur von Nervosität. Das Timing ging auch gut auf. Zeit, um einzulaufen. Als ich mich drei Minuten vor dem Start vor die Reithalle begab, war der ganze Startbereich bereits von bunten Läuferscharen aufgefüllt. Ich versuchte, wenigstens noch ein bisschen nach vorne zu drängeln, da es sowieso viele Läufer gibt, die über ihren möglichen Leistungen viel zu weit vorne einstehen und dann überholt werden müssen. Es schmeckte streng nach Dulix. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele sich vor dem Start mit diesem Öl einreiben, als gehe es darum, eine Grillspezialität vorzubereiten.

Am Anfang viel Überholen...

Viel zu schnell unterwegs am Halbmarathon?

Der Startschuss fiel und bis ich mich so richtig bewegen konnte, vergingen noch zahlreiche Sekunden. Am langsamen Auf- und Abwippen der Köpfe vor mir stellte ich fest, dass es langsam losgehen würde. Ich musste mich sehr konzentrieren, dass ich niemandem von hinten auflief, weil ich jetzt viele Läuferinnen und Läufer überholen musste, die deutlich langsamer als ich unterwegs sein wollten. Glücklicherweise sind die Wege auf den ersten fünf Kilometern recht breit. Nach einem kurzen Stück parallel zum Winterthurer Bahnhof ging es schon bald in ein Waldstück am Eschenberg. Diese Kühle war richtig toll. Die alte Streckenführung führte vorwiegend an der Sonne über Asphaltstrassen. Ab diesem Jahr versprach der Halbmarathon mehr als die Hälfte Naturwege, einen grossen Teil davon im Schatten der Wälder um den Eschenberg.

Viel zu schnell unterwegs?

Ich war gut unterwegs, hatte schnell einen Rhythmus gefunden und versuchte abzuschätzen, mit welchen Reserven ich heute rechnen konnte. Nach Kilometer 6 bogen wir in einer Spitzkehre auf einen Naturweg mit Holzschnipsel, welcher direkt der Töss entlang führte. Kurze Zeit später wechselten Kieswege mit wurzelbestückten Waldwegen den weichen Holzschnipselpfad ab. Das erforderte immer grosse Konzentration auf den Laufuntergrund. Bei Kilometer 9 trank ich aus der Flasche und verlor dann für kurze Zeit den gewohnten Laufrhythmus. Kurz vor Kilometer 10 bogen wir links über eine Brücke ab und liefen auf der anderen Uferseite wieder Richtung Sennhof. Die 10er-Markierung passierte ich mit 46:44, mehr als drei Minuten unter meiner anvisierten Zeit. Ich war wohl etwas schnell unterwegs! Kilometer 11 bis 16 waren teilweise wieder etwas wärmer, weil nicht überall Schatten vorhanden war und die Strecke ganz leicht anstieg. Ich drosselte das Tempo etwas und versuchte den Vorsprung zu halten, aber nicht mehr auszubauen. So um Kilometer 13 hatte ich noch einmal Mühe mit dem Laufrhythmus, welcher sich dann langsam aber sicher wieder einpendelte.

Die Schwämme mit dem kühlen Wasser, welche ich mir über dem Kopf ausdrückte, brachten willkommene Kühlung, der leichte Wind verstärkte diese angenehm. Etwas steiler ging es dann über den Seemer Buck, im Anschluss daran auf einem schmalen Waldweg abwärts. Nun kamen die letzten Kilometer. Ab Kilometer 17 war die Laufstrecke mehr an der Sonne. Ich hatte auf die geplante Zeit rund 4 Minuten Vorsprung herausgeholt und es schien mir möglich, diesen bis zum Ziel auf 5 Minuten und eine 1:40er Zeit (oder vielleicht etwas darunter) auszubauen. Mir fehlte aber die Kraft in den Beinen und im Rumpf, welche ich wahrscheinlich auf den Wurzelwegen verpufft habe. So musste ich recht auf die Zähne beissen und zwischendurch drang die Frage, warum ich das jeweils auf mich nehme, für kurze Augenblicke ins Bewusstsein. Mit dem Abrufen der positiven Aspekte bündelte ich meine Kräfte und versuchte, die letzten zwei Kilometer regelmässig, aber forcierend zu laufen.

Die 20er-Marke passierte ich mit 1:35. Die 1:40 würden knapp – sehr knapp! Ich kannte die neue Streckenführung im Zielbereich nicht und versuchte mir die Reststrecke mit den noch verbleibenden Minuten in kleine Portionen einzuteilen. Noch drei Minuten, noch zweieinhalb, noch zwei. Letzte Kurve vor der Zielgeraden. Blick auf die Uhr: 1:39:27. Das könnte gerade noch knapp reichen. Ich steigerte die Schrittfrequenz und lief in forciertem Tempo über die Zeitmessmatten. Geschafft und Ziel sowieso erreicht! Hatte nicht genau gestoppt. Musste um die 1:40:ungerade gelaufen sein. Ist ja egal. Im engen Zielgelände musste ich sofort die Chips aus den Schuhbändeln nesteln. Dann freute ich mich auf Flüssigkeit und die Dusche danach. Etwa eine Stunde später schaukelte ich im Neigezug wieder Richtung St. Gallen. So lange brauchte ich auch, bis sich die Freude über das gute Ergebnis und das erfolgreiche Traininghalbjahr einstellte.

Jetzt bin ich froh, mal nicht laufen gehen zu müssen.


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