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14. Winterthur Halbmarathon 2012

Vier Wochen vor dem Lauf, ich hatte mich eben für den Halbmarathon in Winterthur angemeldet, war ich abends für eine Trainingseinheit unterwegs.  Als ich den Alltag wie immer Schritt für Schritt abgestreift hatte - die überraschende Frage: Was gefällt dir am Winterthur Halbmarathon so gut?

Die Streckenführung ist sicher etwas sehr Spezielles: Aus der Geschäftigkeit der Grossstadt geht es nach den ersten zwei Asphaltkilometern wie durch ein Tor in den Eichliwald - und es herrscht Natur pur. Die Wege sind sehr abwechslungsreich: Aspahltstrecken wechseln mit Schotterpisten und Wurzelwegen. Der mittlere Teil führt am Ufer der Töös mit den zahlreichen Brücken entlang. Im letzten Drittel sorgen ein paar Steigungen für mentalen Drill - und dann geht es leicht abwärts wieder in die Stadt zurück. Der Anlass ist mit rund 3000 Teilnehmern in einem familiären Rahmen - und mit dem öffentlichen Verkehr, sehr gut zu erreichen.

Das Wetter macht, was es will...

Noch tief unter der Bettdecke höre ich, wie draussen Petrus Schleuse um Schleuse öffnet. Es regnet in Strömen. Vor dem Kaffee und einem letzten Brötchen vergewissere ich mich im Internet, ob das Regenband bis zum Start über Winterthur hinweggezogen sein würde. Befund eher positiv.

Kaum habe ich im Bus das Dorf verlassen, liegt auch die Regenfront hinter uns. In den grossen Pfützen spiegelt sich die noch verschlafene Stadt. Mit dem Zug fahre ich durch das frisch gewaschene Früstenland Richtung Winterthur. Kaum dort angekommen, blinzelt die Sonne uns Läufern mit Schalk entgegen.

Eulachschränzer Gugge macht Stimmung

Die Eulachschränzer heizen ein

Ein kühler Wind streicht über das sich füllende Starterfeld und verteilt den obligaten Dulix-Odeur wohl in der ganzen Stadt. Dunkle Wolken hängen über der Winterthurer Reithalle. Mit heissen Rhythmen sorgen die Eulachschränzer für gute Stimmung und jagen die Kälte vom Platz. Die Wartezeit bis zum Start vergeht im Nu. Der Startschuss peitscht durch die Luft und ich habe das Gefühl, als weichen die Wolken erschrocken zur Seite und geben ein Stück Himmelblau frei.

Von der Stadt in die Natur

Die farbenfrohe Läuferschar ergiesst sich in die Wohnquartiere. Was von weitem ruhig und bedächtig aussehen mag, ist im Gewusel drin hektisch und anspruchsvoll: Jeder versucht sein eigenes Tempo zu finden, man muss auf Randsteine, Tafeln, Abschrankungen aufpassen, auf Läufer, die plötzlich ausscheren und überholen wollen. Langsame Mitläufer, die zu weit vorne einstanden, erschweren das zügige Vorwärtskommen ein wenig. Und dieses Jahr neu: Ein kurzer Streckenabschnitt mit tiefen Schlaglöchern. Äusserst abwechslungreiche Sache!

Bild: winterthur-marathon.ch
Eichliwald Winterthur Halbmarathon

Es geht ein paar Mal "um die Ecke" und dann - dann folgt auf der unteren Vogelsangstrasse wieder Ruhe und wir haben reichlich Platz zum Laufen. Majestätisch spannt sich die Wylandbrücke über den Bahnhofsbereich und deutet an, dass wir demnächst von der geschäftigen Stadt in die grüne Lunge Winterthurs eintauchen würden. Der Eintritt in den Eichliwald ist im Startgeld inbegriffen - und plötzlich bist du mitten im Grün. Tausende von Regentropfen kleben wie kleine Diamanten an den Grashalmen, die den Wegrand säumen. Und während 2011 "Schatten suchen" die Devise war, so lautet sie heute "Pfützen meiden".

Das richtige Tempo finden

Mit dem Eintauchen in den Eichliwald sollte ich das optimale Lauftempo für die erste Hälfte gefunden haben. Es läuft "nach Plan". Die Pace habe ich irgendwie gut in den Beinen. Wer in der ersten Hälfte zu schnell läuft - und das passiert leider immer wieder vielen Teilnehmern - bricht in der zweiten Hälft ein und das fordert von den Läufern noch einiges mehr an Durchhaltewillen als ein gut eingeteiltes Rennen mit leicht schnelleren zweiten Hälfte.

Bild: winterthur-marathon.ch
Chinesebrüggli an der Töss

Entlang der Töss

Nach dem ersten Wendepunkt gelangen wir an das Ufer der Töss. Die vielen Wurzeln, die scheinbar kreuz und quer im Weg installiert sind, fordern nebst den Pfützen die Konzentration ganz schön heraus, bringen aber Abwechslung - und die Kilometer fliegen nur so vorbei. Brunibrugg, Chinesenbrüggli - und schon folgt der nächste Wendepunkt über eine weitere Brücke auf die andere Uferseite.

Kurzer Abstecher in die Zivilisation

Bei Kilometer 15, die Kyburg muss ganz in der Nähe sein, öffnet sich der Wald und wir laufen auf Naturstrassen in Richtung Sennhof. Ein kurzer Abstecher in die Zivilisation, ein erneutes Überqueren der Töss und die Strecke führt in einer wackeren Steigung wieder in den Wald Richtung Seen. Hier befindet sich dann auch die engste Wegstelle - ein echter Waldweg.

Start- und Zielbereich Winterthur Halbmarathon

Beflügelt ins Stadtzentrum

Nach dem erwähnten Aufstieg führt die Laufstrecke zum grössten Teil leicht abwärts in die Wohnquartiere von Winterthur-Seen. Das beflügelt alle Läufer, die noch genug Power für den letzten Abschnitt haben. Kilometer um Kilometer wächst der Vorsprung auf mein Zeitziel - und kurz nach dem Einbiegen in die Waldeggstrasse stelle ich fest, dass sogar eine Zeit unter 1:36 möglich wäre.

Der Wattenbachweg wird zur Endspurt-Strecke. Mit einer Zeit von 1:35:43 unterbiete ich meine letztjährige Bestleistung um mehr als eine Minute.

garstiges Regenwetter

Der Wetterkreis schliesst sich

Ich sitze entspannt im Zug nach St. Gallen. Die Gruppe "Freudeskreis" trällert im Lied "ANNA" den Text "Immer wenn es regnet..." - und es passt perfekt: Der Himmel entleert sich über dem Fürstenland, als hätte er sich die Wassermenge wochenlang abgespart.

Während sich die Regentropfen gegenseitig über das Zugfenster jagen, geniesse ich in Gedanken nochmals den Zieleinlauf. Immer wieder ein emotionaler Moment.

Winterthur - ich komme wieder!

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