Suchcode diese Seite: 232
Laufberichte » Lauferlebnisse » Greifenseelauf Uster » 28. Greifenseelauf 2007

28. Greifenseelauf 2007 in Uster - Laufbericht

28. Greifenseelauf in Uster

Wie schon am Tag zuvor empfing uns die herbstliche Sonne bereits schon am Morgen. Dünne Schleierwolken, wie von einem Pinsel an den Himmel gestrichen, vermochten die Sonnenstrahlen nur wenig abzuschwächen. Die vereinzelten schon rot gefärbten Blätter vor dem Haus leuchteten im Gegenlicht zwischen den sattgrünen hervor. Die noch langen Schatten der Morgensonne strichen über die vom Morgentau glänzende Wiese. In rund sechs Stunden würde ich im zugeteilten Block auf den Startschuss zum diesjährigen Greifenseelauf warten. Ich hatte gut geschlafen und die Tasche bereits schon am Vorabend gepackt. So konnte ich den Tagesanfang noch geniessen und meinen Kopf freihalten. Von draussen ertönte ein lautes Glockengebimmel: Die Bauern waren mit ihren Kühen unterwegs zum Sammelplatz für die diesjährige Viehschau.

Später sass ich im Voralpen-Express, welcher den Bodensee mit dem Zürichsee und dem Vierwaldstättersee verbindet. Ich genoss die Ruhe im Zug und entspannte mich mit meiner Lieblingsmusik. In Rapperswil füllte sich die S5 nach Uster mit Gleichgesinnten und in Uster strömten hunderte von Läuferinnen und Läufer, dirigiert von einem Speaker, zur Startnummernausgabe. Die Organisation war hier in Uster wie schon die letzten Jahre perfekt. War einmal der enge Durchgang durch die Landi-Halle überwunden, gab es schnell die Startnummer und den Daten-Chip. Das Wertsachen-Depot klappte auch äusserst schnell und alle Dienstleistungen wurden mit einem freundlichen „en guete Lauf“ abgeschlossen.

Einen 5er-Schnitt zu laufen, war nebst einer allgemeinen Zeitverbesserung auf dieser Strecke eines meiner Ziele, welche ich nach meinem erfolgten Training als realistisch einschätzte. Der 10er-Unterdistanzlauf drei Wochen zuvor bestätigte meine Form. Die im Wetterbericht täglich nach oben korrigierten Tageshöchsttemperaturen liessen aber meine Wünsche in der Sonne zerrinnen wie Eis an der Sonne.

Nun stand ich im 5. Block an der Sonne und musste mit anhören, dass unsere ehemalige Bundesrätin Ruth Metzler auch mit uns starten würde. Na und? Eine unter mehreren Tausenden – und auch sie würde ums Schwitzen nicht herumkommen…

Der Startschuss zu unserem Block war gefallen, die Masse setzt sich sehr zügig Richtung Greifensee in Bewegung. Zum Glück gab es auf dieser Seeseite noch etwas Waldpassagen, welche mit Lüftchen für angenehme Kühle sorgten. Doch den grossen Rest der 21 Kilometer würden wir an der prallen Sonne laufen.

28. Greifenseelauf in Uster

Die warme, abgestandene Luft im Rietbereich des Sees machte sich bald bemerkbar und Schweisstropfen verbanden sich zu kleinen Bächlein. Der Staub der ausgetrockneten Naturwege wirbelte auf wie in den alten Winnetou-Verfilmungen. Schon bei km 4 schätzte ich ein, dass eine km-Zeit von 5:00 zu halten, schwierig sein würde. Damit lösten sich grössere Begehrlichkeiten in der warmen Luft auf und blieben aber als mentale Spukgeister weiter im Gedächtnis. Den Laufrhythmus hatte ich schnell gefunden und bis km 10 liess ich mich mit der Masse mitrollen. Es lief eigentlich gut. Während ich im Mai in Winterthur die 10er-Marke bei 46:40 passierte, waren es heute knapp 50:00. Ab km 12 wurde es dann mental hart. Ich fragte mich ein paar Male, warum ich das auf mich genommen hätte. Die Beine liefen, aber ich merkte regelmässig, dass ich auch immer etwas Zeit verlor. So hatte sich mein Rückstand bis km 18 auf rund 2 Minuten summiert. Bei den Verpflegungsposten leerte ich mir regelmässig zwei bis drei Becher Wasser über Kopf, Gesicht und Rücken. Die Kühlung dauerte nur wenige Minuten und schon spürte ich wieder die warme, drückende Luft. Kurz vor km 18 wachte der Kampfgeist wieder auf und es kamen die drei letzten Kilometer, die ich wieder mehr geniessen konnte. Vielleicht war es die Kühle, welche nach dem Verlassen des Seegürtels wieder spürbar wurde, vielleicht waren es die vielen Leute, die uns an der Strecke aufmunterten, vielleicht das Ziel, welches jetzt in greifbarer Nähe war - vielleicht war es alles zusammen.

Ich nahm mir vor, bis ins Ziel nicht mehr auf die Uhr zu schauen und einfach zu laufen. Je näher ich zur Steigung nach Uster kam, desto mehr Mitläuferinnen und Mitläufer traf ich an, welche nur noch gingen. Die Hitze machte den meisten zu schaffen. Beim Eingang ins Dorf, es ging ganz leicht abwärts und dann um einen Kreisel, liess ich die Beine laufen, was sie noch konnten und erreichte das Ziel mit 1:47:12.

Ich war stolz auf die Leistung und trotzdem irgendwie enttäuscht. Wahrscheinlich brauchte es etwas Zeit und die definitive Rangierung, um das hoch gesteckte und verfehlte Ziel in den Hintergrund zu rücken. Das 1. Ziel, die Zeit von 2006 zu unterbieten, hatte ich ja deutlich erreicht. Umso mehr freute ich mich, dass ich in Uster dafür das erste Mal noch warmes Wasser zum Duschen hatte – und das war doch auch ein Erfolg…
Eine Stunde später sass ich im Zug Richtung St. Gallen. In Rapperswil strahlte die herbstliche Abendsonne über den Zürichsee. Kurz vor Uznach leuchtete der Mond über dem mächtigen Speer, bevor er von der Dunkelheit des Rickentunnels verschluckt wurde. Am Abend, als ich meine Rangierung per SMS zugeschickt bekam, freute ich mich über den 448. Platz in meiner Altersklasse. Damit habe ich mich gegenüber dem letzten Jahr um fast 180 Plätze verbessert und war doch in der Zwischenzeit ein Jahr älter geworden….

2007 2006 2005
Altersklasse M40 448. (1277) 632. (1226) 797. (1288)
Herren Overall 2044. (5928) 2652. (5625) 3717. (6241)
Zeit 1:47:12 1:50:07 1:49:19

» Mit dem Newsletter auf dem Laufenden!