Abenteuer Sparkasse-Marathon 2011
Laufbericht von Claudia (zweiter Marathon)
2. Oktober 2011. Pünktlich um 08.00 Uhr fuhr mein Fahrservice vor. Meine beste Freundin, Trainingspartnerin und persönlicher Coach begleitete mich auch zu meinem zweiten Marathon. Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir Bregenz, liessen dort das Auto stehen und fuhren den Rest der Strecke zusammen mit vielen anderen Läufern mit dem Shuttle-Schiff bis zum Start nach Lindau.
Wie dies bei mir üblich ist, war ich auch dieses Mal viel zu früh im Startgelände und hatte so genügend Zeit, gemütlich einen Tee zu trinken, anderen Läufern bei ihren Startritualen zuzuschauen, meine Kleider abzugeben, mehrfach auszutreten und einige Erinnerungsfotos zu schiessen.
Kurz vor 11 Uhr begab ich mich in meinen Startblock. Meine Anspannung stieg von Minute zu Minute. Die Vorfreude war riesig. Einmal mehr fokussierte ich mein Ziel von 3‘59‘‘59, auf welches ich während eines Jahres mit www.runningcoach.ch hin trainiert hatte.
Um Punkt 11.11 Uhr war es dann soweit. Der Startschuss war gefallen. Die Masse setzte sich in Bewegung. Zwei Minuten später startete auch ich meine Pulsuhr und nahm die 42.195 Kilometer in Angriff.
Wie immer waren die ersten fünf Kilometer nicht einfach zu absolvieren. Viele Läufer mit unterschiedlichen Anfangstempi brachten es mit sich, dass das eine oder andere Ausweichmanöver notwendig war. Beim achten Kilometer, das Läuferfeld hatte sich inzwischen auseinandergezogen, merkte ich, dass ich über längere Zeit immer hinter einem Läuferduo blieb. Bald stellte sich heraus, dass die Basler dasselbe Ziel verfolgten wie ich und so liess ich mich von ihnen ein Stück weit mitnehmen. Nach der Verpflegungsstelle beim 13. Kilometer verabschiedete ich mich jedoch und lief ein etwas flotteres Tempo als die beiden. Gut in der Zeit flogen die Kilometer nur so unter meinen Füssen durch, sodass ich den Halbmarathon in einer fantastischen Zeit von 1h 55 min absolvierte. Leider war damit das Rennen noch nicht zu Ende. Bei Kilometer 22, wir waren auf dem Weg in die Schweiz, hörte ich auf einmal Stimmen, die mir sehr bekannt vorkamen. Mitten auf einem Feld sah ich meinen Paten mit Frau. Die Anfeuerungsrufe der beiden animierte einen weiteren Läufer, mit mir ins Gespräch zu kommen.

Gemeinsam überquerten wir die Landesgrenze bei St.Margrethen und liessen uns im Stadtkern von den Zuschauern, den Cheerleadern des FCSG, meiner Schwester und Mutter feiern. Bereits aus vielen Trainings wusste ich, jetzt kommt eine mental schwierige Strecke. Entlang des Rheindamms wieder auf österreichischem Gebiet. Eine Strecke fast ohne Zuschauer, eintönig und langweilig. Leider kam dann wie befürchtet der Hammer. Obwohl ich dank meines Gesprächspartners die Wand noch um einen Kilometer herauszögern konnte, musste ich diesen jedoch bei Kilometer 30 ziehen lassen. Dieser schärfte mir noch ein, dass ich unter 4 Stunden ins Ziel laufen kann, auch wenn ich mein Tempo um eine Minute pro Kilometer verlangsamen würde.
Einmal mehr konnte ich mich auf meinen Kopf, mein Herz und meinen enormen Willen verlassen. Obwohl meine Beine am liebsten gestreikt hätten, liess dies mein Ehrgeiz nicht zu. Schnell fand ich wieder Anschluss an einen Läufer, welcher mich mit aufmunternden Worten weitere fünf Kilometer Richtung Ziel zog. Dies in einem Tempo, welches nur leicht langsamer war, als die angeschlagene Anfangspace von 5.30 Minuten pro Kilometer.
Leider war dies wohl das letzte Aufbäumen vor dem Ziel. Bei Kilometer 39 liess mich dieser Läufer schweren Herzens stehen, nahm mir jedoch das Versprechen ab, dass ich die letzten drei Kilometer durchlaufen würde.
Bei der letzten Verpflegungsstelle sammelte ich letzte Energie, rechnete die Zeit nochmals nach, biss die Zähne zusammen und fokussierte das Ziel, welches dank der Flutlichtmasten des Leichtathletikstadions in Bregenz gut zu sehen war. Es gab nichts mehr, was mich noch hätte aufhalten können, und als ich dann endlich das Schild des 41. Kilometer sah, hätte ich weinen können vor Freude. Der letzte Kilometer und noch neun Minuten zur Verfügung.

Vor dem Stadion traf ich als erstes meine Familie, welche anfeuernd am Strassenrand stand und kurze Zeit später meine beste Freundin, welche alle umstehenden Zuschauer dazu animiert hatte, laut meinen Namen zu rufen. Jetzt war es nur noch eine halbe Runde ums Stadion und dann war das Ziel zum Greifen nah. Ich kam mir vor wie an einem Olympiamarathon. Im Stadion lief ich die letzten zweihundert Meter wie auf einer Wolke und konnte es vor Freude nicht fassen, als meine Uhr im Ziel bei 3h 57 min 01 s stehen blieb.
Völlig entkräftet, mit schmerzenden Hüften, Oberschenkeln und Knien wankte ich durch den Zielbereich. Einem Radioreporter war meine Freude nicht entgangen und so kam es, dass ich erst noch ein Interview geben musste, bevor ich mich von meinen Leuten feiern lassen konnte.
An diesem Tag habe ich nicht mehr viel getan. Meinem Körper gönnte ich nach dem gefinishten Marathon ein heisses Bad und viel Schlaf.
Vor zweieinhalb Jahren, bei meinem ersten Marathon in Zürich, waren es die vielen Zuschauer an der Strecke, welche mir über all meine Schmerzen hinweghalfen und mich vorwärtstrieben. Dieses Mal gilt mein Dank all den Mitläufern, welche mich für kurze Zeit begleitet haben und welche mich immer wieder aufs Neue motiviert und aufgebaut haben.
© Fotos: zur Verfügung gestellt




