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Lauftraining im Schneetreiben

Sandkorn - die Laufkolumne

Die Entscheidung

Lauftraining im Winter, Schneetreiben

Nach einem 11-Stunden-Tag lockte mich ausnahmsweise nicht das Nachtessen, sondern die frische Luft. Seit ein paar Stunden hatte es schon geregnet und jetzt fielen die ersten Schneeflocken. Jetzt oder nie.
Ich packte mich mit mehreren Schichten ein, stülpte die Übersocken, welche ich fürs Velo fahren einmal gekauft hatte, über und schnürte die Laufschuhe. Funktionskappe über die Ohren, Schirmmütze darüber, damit wenigstens meine Augen vor den fallenden Schneeflocken geschützt waren. Handschuhe anziehen, Schlüssel einpacken, Leuchtarmband einschalten – und los.

Der Schnee pudert die Landschaft ein

Der Schnee hatte schon eine dünne Schicht auf dem Trottoir hinterlassen und es war angenehm „weich“ zum Laufen. Der starke Wind blies mir die Schneeflocken von der rechten Seite her ins Gesicht und die einzelnen Kristalle pieksten leicht auf der Gesichtshaut. Vor sechs Jahren hätte ich mich gehütet, auch nur einen Schritt vor die Haustür zu setzen, wenn das Wetter solche Kapriolen schlagen würde – aber heute? Ich freute mich richtig darauf, nach dem langen Tag endlich mal an der frischen Luft ausspannen und Energie entladen zu können.

Wie meistens, wenn es schon dunkel war, wählte ich den beleuchteten Weg in Richtung St. Gallen. Die Strasse steigt dabei während etwa drei Kilometern leicht an. Ich hatte nach fünf Minuten lockerem Joggen eine richtig wohlige Wärme in meinem Körper. So genoss ich das Schneetreiben und den kühlen, kräftigen Wind und trabte locker stadtwärts.

Hinter mir liessen die frischen Spuren im Schnee einen langen Tatzelwurm entstehen. Meine rechte Körperseite war durch das Schneetreiben innert Kürze von einer weissen Schicht überzogen. 

Spurenrätsel

Ich bog in die Hauptstrasse ein und wechselte das Trottoir. Spuren von zwei Personen waren vor mir in den Schnee gestempelt. Sie führten bis zur Bushaltestelle und verloren sich dort, als ob sie vom Erdboden verschluckt worden wären. Dafür startete an der gleichen Stelle aus dem Nichts ein neues Abdruckpaar den Weg durch den Schnee.

Eine Radspur verriet das Geheimnis.

Hier bei der Rudolf-Steiner-Schule wird wohl eine Kulturveranstaltung stattfinden. Die jungen Parkplatzeinweiser kratzten mit ihren Staablampen den frischen Schnee von der Einweistafel.

Beim Restaurant Vorstadt läuft parallel die Autobahn A1 durch die schluchtartige Vertiefung und die Hauptstrasse sticht schnurgerade, gesäumt von Strassenlampen, stadteinwärts. Dieser Streckenabschnitt gefällt mir immer sehr gut. Bei optimaler Sicht kann man hier bis zum Bodensee blicken.

Hier überzog ein samtiger Schneeteppich den Gehsteig. Das Schneetreiben nahm etwas ab und die Sicht wurde besser. Ein Lastwagen rauschte vorbei und verteilte eine Salzwolke auf der mit nassem Schnee belegten Strasse. Das gelbe Blinklicht zuckte noch lange durch den frischen Abend.

Palmen, Wärme und Meer...

Beim E-Plus bog ich Richtung Stefanshorn ab und joggte auf einem langgezogenem Kreisbogen zurück zur Hauptstrasse, welche ich überquerte. Von diesem Spazierweg aus konnte ich einen genüsslichen Blick auf das grosse Hallenbad werfen, welches sich jeweils am Abend mit einer herrlichen Beleuchtung präsentiert.

Ich stellte mir Palmen, Wärme und Meer vor und joggte via Gallusmarkt und Autobahnbrücke zurück zur Hauptstrasse nach Mörschwil. Meine Spuren vom Hinweg waren kaum mehr zu sehen. Ein paar neue Schuhabdrücke hatten sich dazugesellt. Reifenspuren verrieten, wo heute Abend viel los war.
Nun ging es wieder leicht abwärts.

Fazit

Nach etwas mehr als einer Stunde war im wieder am Ausgangsort, mit warmen Füssen und Händen und weissbedeckter Kappe.
Die warme Dusche, der heisse Punsch und „Beine hochlagern“ rundeten das Lauftraining ab.
Ist schon ein tolles Gefühl, wenn man sich auch bei diesem Wetter dazu überwinden kann, raus zu gehen.

Schlechtes Wetter gibt es nicht – nur schlechte Bekleidung.

Wie wahr! Schlafmützensmile 

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