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Sommerregen - Trainingslauf

Sandkorn - die Laufkolumne

Sommerregen - Lauftraining

Endlich Sommer! Aus dem Radio plätschert das bekannte Lied vom kürzlich verstorbenen Rudi Carrel: "Wann wird's mal wieder richtig Sommer, ein Sommer wie er früher einmal war?" Ja was wollen die denn noch? Die ganze Woche war es sonnig und warm, nur am späteren Nachmittag gab es vereinzelt Gewitter und Regen. Ein richtiger Sommer eben. Meine Frage war eher: "Wann gibt's mal wieder richtig Training?" Bei diesen Temperaturen konnte ich mich nicht auf einen Berglauf begeben und da, wo ich in den Sommerferien weilte, gab es einfach nur Berg oder Tal: Berner Oberland. Dafür wurde es abends, wenn die Sonne hinter den hohen Bergkämmen verschwand, so richtig angenehm. Und dann, ja dann herrschten die idealen Voraussetzungen, um gegen den Berg anzukämpfen.

Kurzer, lockerer Berglauf

Doch heute war es ein bisschen anders: Der Tag fing wolkenlos an und blieb es bis am frühen Nachmittag. Die ersten Wolken zeigten an, dass es bald wieder eine Erfrischung geben könnte. Ich rüstete mich mit den lockersten Laufkleidern aus und startete zu einer kleinen lockeren Trainingseinheit auf die Bidmi, eine Alp, welche sich rund zwei Kilometer vom Ausgangspunkt befand.

Im "Regenwald" des Berner Oberlandes

Der Start auf dem noch trockenen Weg war warm. Dann fielen die ersten Tropfen, polterten auf die Schirmmütze und kitzelten an den Armen. Durch den nun nassen Strassenbelag und den vereinzelt durchdringenden Sonnenstrahlen nahm die Luft viel Feuchtigkeit auf. Die Luft war zum Zerschneiden schwer und ich kam mir zeitweise vor wie in der Masoala-Regenwald-Halle des Zürcher Zoo's. Einen Moment lang zweifelte ich an meinem Entscheid, jetzt bergauf zu laufen. Glücklicherweise näherte ich mich einem Waldstück, aus welchem angenehm kühle Luft entgegenströmte. Der Regen wurde etwas stärker und die vielen Regentropfen rauschten im Blätterdach des Waldes. Nun wechselten sich warme, feuchte Luftschwaden mit kühlem, angenehmen Lüftchen ab. Das Laufen im warmen Sommerregen - ein sinnliches Lauferlebnis!

Sonnenstrahlen, die zwischen den Wolken durchdrangen, beleuchteten die nassen Bachenblätter und liessen unzählige Wassertropfen wie Kristalle funkeln. Mit kurzen, lockeren Schritten näherte ich mich der Alp, welche rund 200 Höhenmeter weiter oben liegt. Das Berglauftraining wird mir im flachen Gelände wieder zu gute kommen!

Nach einer kurzen Erfrischung mit kühlen, frischen Wasser am Brunnen beim Bidmisee, machte ich mich gleich wieder auf den Rückweg, da im Westen ein Donnern grollte und die Regentropfen und der Wind deutlich kälter waren als in der Hanglage des Weges. 

Die Macht des Berges

Sommerregen und Lauftraining

Mitten in der Waldstrecke hörte ich ein lautes Rauschen, welches mir beim Bergauflaufen nicht aufgefallen ist und entdeckte unterhalb des Weges einen Bach. Es ist schon gewaltig, wie innert kurzer Zeit aus einem trockenen Bachbett ein veritables Bächlein entstehen konnte. Die Bergregion ist immer etwas unberechenbar. Das Wetter kann innerhalb einer halben Stunde total umschlagen.

Neben mir rann das Regenwasser in der Fahrrinne talwärts und wurde etwas weiter unten am Strassenrand von der Kanalisation verschluckt. Ein Hauch Kuhmist wehte aus dem nahe gelegenen Stall zu mir herüber. Im Westen lockerten sich die Wolken und die Aare, die in den Brienzersee sticht wurde wieder sichtbar. Dafür packte die feuchte Luft die Südseite mit dem Rosenlaui-Gletscher in ihre grauweisse Hülle. Zwischendurch pflückte ich ein paar köstlich mundende Walderdbeeren, welche mit ihrem Rot aus den sonst grünen Pflanzenteppich entlang der Strasse hervorstachen.

Nach etwas mehr als einer halben Stunde war ich wieder 200 Höhenmeter tiefer in Hasliberg-Wasserwendi. Trotz Regen war ich überhaupt nicht nass - die Feuchtigkeit trocknete auf der Haut gleich wieder und die vielen Bremsen konnten mir dieses Mal dank Anti-Brumm (Insektenschutzmittel) nichts anhaben, oder doch? In der rechten Armkehle fängt es an zu Jucken. Ein roter, ovaler Fleck - die Bremse war wohl wieder schneller als ich...

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