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Die Versklavung des Laufens

Sandkorn - die Laufkolumne

Im Banne der Technik

Pulsmesser, GPS und Laufsensoren und Asics DS Trainer 18

Spartacus, ein entflohener Sklave, war in der Zeit um 73 bis 71 v.Chr. Anführer eines Sklavenheers von gegen 200'000 Mann und erreichte zahlreiche Erfolge gegen die römische Armee.

Wahrscheinlich ebensoviele Läufer tummeln sich als Sklaven der Technik über die vielen Laufstrecken Europas. Am Armgelenk ein halbes Laptop, am Oberarm einen GPS-Empfänger und vielleicht am linken oder rechten, hochtechnisierten Laufschuh einen Laufsensor, welcher die momentane Geschwindigkeit an die multifunktionale Sportuhr sendet. Sklave des Laufens?

Der Leistungsstand der Batterie entscheidet...

Ist die Batterie der technischen Errungenschaft auf Grund der vielen Möglichkeiten einmal zu schwach, muss nicht die Messung an sich, sondern das Training ausfallen. Viele können ohne Pulsuhr und GPS, ohne Natel und Geschwindigkeitssensor gar nicht mehr laufen. Das Training fällt nicht wegen schlechten Wetters, sondern wegen schlechter Batterie aus. Moderne Skalvenarbeit!

Während man früher mit den ausgelatschten Turnschuhen seine Runden auf den Fitnesspfaden der Natur drehte, müssen heute technisch hochgezüchtete, gedämpfte, gestützte und trotzdem möglichst leichte Wunderwerke an die Füsse geschnürt werden, welche wiederum in Socken stecken, die die Wärme und Feuchtigkeit perfekt an die Umgebung abzugeben vermögen, den Geruch aber für sich behalten können. Silberionen-Technik sei Dank.

Funktionen bis zum Abwinken

Während vor einigen Jahren der Laufschuh noch das teuerste Utensil für die Ausübung des Laufsports war, wurde dieser trotz überproportionaler Verteuerung von den Computern an den Handgelenken um Längen überholt. Heute kannst du dir ein Wunderwerk mit Schnick-Schnack und USB-Schnittstelle für einen Preis erstehen, mit dem du früher zwei Paar neue Laufschuhe kaufen konntest.

Und was da alles geboten wird: Eine Autostopp-Funktion, welche die Uhr anhält, falls ich wegen eines stehenden Hundes oder einer freilaufenden Ampel (oder umgekehrt Smile solala - also ehrlich) warten müsste... Einen "Virtueller Partner", welcher eine eingegeben Strecke und Zeit mit der aktuellen vergleicht und dich anspornt, wenn du gegenüber von diesem virtuellen Partner zu langsam wirst. Möglichkeit, um Datum, Uhrzeit, Länge der Einheit, Anzahl der Runden (bis 1000, ehrlichSmile mit rutschender Brille!), Daten der einzelnen Runden, Höhenmeter, Geschwindigkeit, Maximalgeschwindigkeit, Maximalpuls, Durchschnittspuls, zurückgelegte Strecke,... (stark gekürzte Fassung!).

Der Sinn des Laufens?

Auswertung Lauftraining

Was wir nicht alles brauchen, um zu trainieren. Wir sind doch alle versklavt von diesen technischen Wunderdingern. Das Peipsen wird zu einem wichtigen Trainingsbegleiter, die linke Schulter fängt an zu schmerzen, weil der Arm beim Ablesen der kleinen Digitalziffern lange hoch gehalten werden muss.

Die Nerven liegen blank, wenn die gewünschten Daten (siehe oben) nicht ordnungsgemäss aufgezeichnet werden oder beim Transfer über die Schnittstelle zum Computer stecken bleiben. Und wenn alles klappt, sehen wir da auf dem Computer Bilder, wie sie nur in einer modernen Kunstsammlung hängen können: Mit verschiedenfarbigen Linien, welche auf- und abschwingen, mit Balken, die dreidimensional in die Höhe ragen und Abkürzungen, wie sie nur einem Künstler entspringen können: MHF, dHF, hM...

Gibts da vielleicht auch eine Funktion, all die vielen und manchmal unnötigen Funktionen AB-zuschalten? Wenn nicht, dann pack die Sachen zurück in die Schachtel und gehe einfach laufen. Egal wie schnell, egal wie lange, so, wie es dir einfach im Moment richtig Spass macht.

Lass doch den textilen Pulsgurt an der Badezimmerstange und deine Seele beim Laufen ohne (Lebens-)Hilfsmittel mal so richtig baumeln.

Du wirst überrascht sein, wie das Laufen plötzlich erholsam, befreiend und sinnlich sein kann!


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