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Laufen bis der Arzt kommt - Laufstil unwichtig?

Sandkorn - die Laufkolumne

Lauftraining bis der Arzt kommt - Laufstil unwichtig?

Mit vornüber gebeugtem Körper, hochrotem, Schmerz verzerrtem Gesicht und verkrampften Armen stampfen sie keuchend durch die Gegend, dass man sich reflexartig überlegt, wo man im Notfall schnell Hilfe holen könnte.

Was bringt einen gesunden Menschen so weit, in dieser Aufmachung über die Wege zu irren? Manchmal erinnert mich das an ein Schlachtgemälde aus dem späten Mittelalter, an den Schmerz der Verwundeten, an den Schmach der Besiegten.

Kampf gegen den Schmerz beim Laufen

Warum kämpfen Menschen, die Sporttreiben gegen den Schmerz, gegen sich selbst und gegen die Zeit?

Ich habe schon oft Läufer an Wettkämpfen überholt und mich gefragt, ob sie es wohl noch ins Ziel schaffen würden und wie solchen Läufern wohl das Rennen in Erinnerung bleiben würde? Kampf des Lebens? Schmerzen noch Wochen danach? Laufschuhe für die nächsten zwei Jahre eingemottet oder auf E-Bay oder Ricardo verhökert?

Meine Erfahrung zeigt auch, dass es meistens Männer sind, die ihren Körper und ihre Leistung überschätzen – oder ein zu ehrgeiziges Ziel zu erreichen versuchen.

Wo bleibt das Gefühl für den Körper und seine Signale?

Das Körpergefühl scheint oft nicht wahr genommen zu werden. Irgendwie werden die sensitiven Nervenimpulse bewusst oder unbewusst unterdrückt. Hat Mann / Frau uns so erzogen? Ich möchte mich hier nicht ausnehmen: Vor meinem Ziel gerichteten Lauftraining vor etwa fünf Jahren hatte ich auch immer das Ziel, eine gewisse Strecke möglichst schnell absolvieren zu müssen und war nur zufrieden, wenn eine „gute“ Zeit erreicht werden konnte. Die Erschöpfung kam – und mit ihr der Gedanke: „Ich bin nicht für’s Laufen gemacht“.

Ich kenne Leute, die nach 15 Jahren Laufabstinenz wieder mit Joggen anfangen wollten und regelmässig nach der ersten Laufeinheit resigniert feststellen mussten, dass es überall zwickt oder wehtut, dass sie sich total ausgepumpt fühlten und meist eine mehrwöchige Laufpause anhängen mussten. Ich muss zum Verständnis der Situation erwähnen, dass die erste Wiedereinstiegs-Laufeinheit darin bestand, zehn oder mehr Kilometer in möglichst schnellem Tempo zu durchlaufen. Wohlverstanden, ohne Aufwärmen, Auslaufen und Dehnen! Nach der Laufeinheit kam die Resignation: Die Form ist brutal schlechter als in der guten alten Zeit und Laufen ist für nichts mehr für mich. Laufen ist ungesund… 

Laufen - das schönste Hobby

Das ist sicher einer der häufigsten Fehler von Laufeinsteigern: Sie wollen an den Ergebnissen vergangener Zeiten anbinden und, wenn man sich schon mal überwunden hat, täglich möglichst weit laufen.

Langsam Anfangen und langsam Steigern ist das A und O – denn, wer als Laufeinsteiger öfter verletzungsbedingt pausieren muss, verliert bald den Spass an der Sache und kostet das Gesundheitswesen mehr, als eingespart werden könnte. Vielen (Wieder-)Anfängern würde einen Abstecher in die Welt der Walker nicht nur versüssen, sondern auch erleichtern. Walking ist für den Anfang eine sehr schonende Art, seinen Körper an vergangene oder neue Leistungsgrenzen zu führen.

Ohne Trainingspause kommt die grosse Verletzungspause

Um das Laufen geniessen zu können, braucht es ein gewisses Körperbewusstsein „Was tut mir gut? Wann ist es genug? Wo sind meine Grenzen? Wie fühle ich mich wohl?“ und auch etwas Fachwissen über rudimentäre Trainingsgrundsätze. Wenn der Läufer versteht, warum und wie sich der Organismus nach Leistungsreizen anpasst, dann kann er sein Training auch besser und sinnvoller „steuern“. Immer noch verbreitet ist die Meinung, dass eine Trainingspause, ein Tag ohne Laufen die Form zerrinnen lässt wie Soft-Ice auf der Zunge. Fakt ist, dass der Körper in der Pause Fortschritte macht. Mehr unter Superkompensation.

Immer wieder schaffen es Bewegungsmuffel mit Hilfe von kompetenter Fachberatung von 0 auf 42 – Sie laufen nach einem Jahr einen Marathon. Ob das sinnvoll ist, muss jeder selber entscheiden.

Mit einem Lächeln...

Wer es aber schafft, innerhalb eines Jahres von 0 auf 10 verletzungsfrei zu laufen, während des Trainierens noch ein Lächeln auf sein Gesicht zu setzen vermag und sich in seinem gesunden Körper wohl fühlt - der hat den Sinn des Laufens begriffen.

Immer wieder bekomme ich über Lauftipps.ch Mails von Läuferinnen und Läufern, die es wirklich geschafft haben. Nicht den ersten Platz auf dem Podest, aber den ersten Platz im Bereich "Wohlfühlen, Gesundheit, Abwechslung".

Unter Methoden und Planung habe ich wichtige Grundsätze zusammengestellt. Auf Flex-Trainingspläne findest du sowohl einen Einsteigertrainingsplan wie auch Folgepläne bis zum Halbmarathon. Vielleicht hast du gerade jetzt Lust, dort mal vorbeizuschauen.

Ich wünsche dir ein genüssliches Laufjahr!

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