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Gegenwind - oder die Unlust des Laufens

Sandkorn - die Laufkolumne

Laufverletzung beim Laufen

Er kann im Sommer eine willkommene Kühlung bringen - er kann dir aber bei einem Wettkampf die letzten Energiereserven absorbieren. Der Gegenwind.

So richtig auf kam der Gegenwind ziemlich genau vor einem Jahr. Aus dem Nichts, sozusagen vom heiteren Himmel. Obwohl es den ganzen Tag schon wie aus Kübeln regnete. Ein total verregneter Feriensonntag in den Bergen.

Ich machte mich auf, startete gut ausgerüstet in den Regen. Ein Lauf auf asphaltierten Alpstrassen, über Alpwiesen, durch Steinpassagen, über steile, steinige Bergwege. Gemütlich, motiviert, guter Laune. Das sollte sich aber bald ändern.

Auf dem letzten Viertel der Strecke, nachdem ich alle schwierigen Passagen hinter mir hatte und mich auf die einfache Kiesstrasse freute, passierte es: Ein übermütiger Sprung über eine Pfütze. Ein schlecht ausgesuchter Landeplatz auf einer glitschigen Holzrinne, welche zum Auffangen des Wassers quer über den Weg lief. Ein kurzer Flug und ein heftiger Aufschlag, rücklings auf die Steine. Unterer Rücken, Hüfte, Arme aufgeschürft, kleine Platzwunde am Hinterkopf und einen gehörigen Brummschädel brachte ich nach Hause.

Ausgerutscht beim Lauftraining und verletzt

Vorsicht im Gegenwind

Die Trainings nach einer kurzen Genesungspause waren nicht mehr gleich wie früher: Ich war vorsichtig, hatte immer die Angst dabei, dass es mich irgendwo auf den Boden schmieren würde. Unbegründet war die Angst nicht: Genau zwei Wochen später, wieder ein Sonntag, rutschte mir bei einem Morgenlauf um 7 Uhr in einer Fussgängerunterführung der Boden weg. Ich stürzte und schlug hart mit der Stirn auf den Beton-Riffel-Belag. Eine Riss-Quetschwunde. Viel Blut. Drei Fingerkuppen passten in die Wund rein. Brille geriet zwischen Stirn und Beton. Weitere Erklärungen nicht nötig. Statt nach Hause zottelte ich beduselt irgendwie durch den frühen Sonntagmorgen in die Notaufnahme des Kantonsspitals.

Da war das erste Mal der ernste Gedanke, aufzuhören. Ich dachte, das war nur ein Traum. Zweimal sonntags einen Unfall. Vorher lief ich acht Jahre ohne einen fatalen Fehltritt. Etwas stimmte doch nicht! Oder war es wirklich einfach purer Zufall und grosses Pech?

Greifenseelauf trotzdem in Angriff genommen

Formkurve im grünen Bereich

Der Herbst und Winter lief erstaunlich gut. Die Formkurve zeigte nach oben. Im Februar kam der Winter und ich musste viel auf Schnee trainieren. Das reizte plötzlich eine Sehne über dem linken Schienbein. Fazit: Frühlingslauf in Männedorf schon das zweite Mal in Folge gecancelt. Laufpause. Dann folgte die Diagnose: Ganglion (gutartiger Tumor) am Fingergelenk. OPs im März. Eine Folgeoperation vier Wochen später zur Fingernervversorgung folgte. 5 Wochen Ausfall in der wichtigsten Trainingszeit des Jahres und den Vorbereitungen auf den Winterthur-Halbmarathon. Schliesslich lief ich den Lauf ohne Ambitionen fast 10 Minuten langsamer als 2008. Und das nach einem soliden, dreimonatigem Grundlagentraining. Das schmerzte!

Der Gegenwind bleibt

Die Motivation zum Laufen kam dann nach der obligaten Regenerationswoche nicht wie gewohnt zurück. Plötzlich genoss ich die verplanten Arbeitswochen ohne die Zusatzaufgabe, in die Tage irgendwo noch ein Training reinpflastern zu müssen.

Dieser Genuss ohne Laufen wäre fast ein Grund, mit dem Laufen aufzuhören, bzw. nur noch zur Erhaltung der Fitness zu trainieren. Der Gegenwind fängt an, mir zu gefallen. Was ich da nicht alles in der neu zur Verfügung stehenden Zeit machen kann!

Und plötzlich merkst du, dass Laufen einen doch wichtigen Teil in deinem Leben eingenommen hat. Ob das in diesem Verhältnis gut ist? So hat jede Sache zwei Seiten, jedes Schwert zwei Schneiden. Ob der Gegenwind abflaut? Ob ich in Greifensee 2009 laufen werde?

On verra!

Anmerkung: Den Greifenseelauf ging ich motiviert an. Die Wochen davor konnte ich ordentlich trainieren und finishte meine Laufsaison 2009 mit 1:45:03 Greifenseelauf Uster: Trotzdem gut gelaufen.


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