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Max Laufgeschichten: Wie Max zum Laufen kam

Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen haben sich diese selber zugeschrieben.


Der Wettkampftag (7)

Max hatte nicht besonders gut geschlafen. Immer wieder stiess er seine warme Bettdecke mit den Füssen weg, rappelte sich aus dem Bett und überprüfte seine Laufutensilien nach Vollständigkeit. Diese Aufgabe war völlig sinnlos, denn seine Sachen standen oder lagen in der richtigen Reihenfolge auf dem breiten Flur – und das schon seit vorgestern. Gleich um die Ecke beim Kücheneingang fing Max’ Ausstellung an: Unterwäsche und Laufsocken waren fein säuberlich ausgebreitet, als könnte man mit genügend Anlauf gleich alles auf einen Schlag erledigen.

Der Wettkampf vor dem Wettkampf

Dann folgte der Geschwindigkeitsmesser (Max: Teil 5) und seine Pulsuhr. Eine Handbreit später das Laufshirt mit bereits schon befestigter Startnummer, auf deren Rückseite Max nicht nur seine Blutgruppe, die Telefonnummer seiner Frau, den Namen seines Meerschweinchens, sondern auch seine letzten testamentarischen Verfügungen mit wasserfestem Folienschreiber geschrieben hatte. Gut, war auf der Vorderseite eine so grosse Startnummer!

Wer weiss, was Max sonst noch notiert hätte. Nach dem T-Shirt folgte die Laufhose und danach die frisch herausgeputzten Laufschuhe. Bis zu den nächsten Utensilien hatte er etwas mehr Platz lassen, weil das Laufschuhe schnüren ja eh etwas länger dauern würde. Dann folgte das Programmheft mit den Starzeiten, der Plan und anderen wichtigen Informationen zum Stadtlauf. Abgerundet wurde die ganze Ausstellung mit der Fahrkarte für den Bus. Die hätte er auch am liebsten schon abgestempelt, damit er das ja am Wettkampftag nicht vergessen würde.

Der Wettkampf vor dem Wettkampf

So kam der Morgen des grossen Tages. Max hatte eine halbe Stunde nach dem Aufstehen schon die halbe Wettkampfstrecke in der Wohnung zurückgelegt, indem er in die Küche lief, dort nicht mehr wusste, was er wollte, zum Wohnzimmer ging und verdutzt vor dem Fernseher stand, den ausgeschalteten Bildschirm betrachtete und wieder kehrt machte. Jedes Mal kam er an seiner Laufutensilienausstellung im Flur vorbei und packte den nächsten bereitliegenden Gegenstand.

Als Max plötzlich aufgeregt in Richtung Küche rief, wie viel Zeit ihm noch bleiben würde, wünschte sich seine Frau das erste Mal, das alles schon vorbei wäre. „Du hast noch fünf Stunden Zeit, Max! Was ist denn los?“, rief sie beruhigend aus der Küche. Als Max sichtlich genervt rief, er habe die Startnummer verkehrt ans T-Shirt befestigt, fiel ihr fast das Rüstmesser aus der Hand.

Die nächsten 4 Stunden decken wir besser mit dem Mantel der Entspannung zu. 

Nach dem Wettkampf die Endorphine

Zehn Minuten vor dem Start war die Welt wieder in Ordnung. Max hatte den richtigen Bus erwischt, daran gedacht, die Fahrkarte abzustempeln, war an der richtigen Haltestelle ausgestiegen und kam rechtzeitig am richten Ort an. Max hatte sich im Startfeld eingereiht und beruhigend festgestellt, dass er im richtigen Startblock stehen musste. Um ihn herum hoppelte es wie in einem Hasenstall vor der Fütterung. Er wusste nicht, ob er sich auch dem Gehoppel hingeben sollte, liess es dann aber doch bleiben. Die Dulix geschwängerte Luft stieg ihm in die Nase.

Es geht los! Der Wettkampf läuft!

Aus den Lautsprecher ertönte eine krächzende Stimme, welche verkündete, dass der Stadtpräsident ebenfalls im Läuferfeld zu finden sei und wer sonst noch erwähnt werden musste, um die nächsten Wahlen zu sichern.

Den Count-down erlebte Max wie in Cape-Canawerel und wollte deshalb auch wie eine Rakete starten. Zum Glück hielt ihn die Wand von Läufern vor sich von diesem untaktischen Vorhaben ab. Das farbige Läuferfeld setzte sich langsam in Bewegung und zog sich auf der ersten Gerade ebenso langsam in die Länge.

Max winkte vor der Kurve so stolz in die Zuschauermenge, dass seine Frau einen Moment lang in panische Angst geriet, weil sie meinte, Max liefe geradeaus in die nächste Mauer. Doch Max war ja jetzt Profi und schlug ausweichend einen Haken, um dem standfesten Hindernis auszuweichen. Der Läufer, welcher die Ideallinie wählte, war weniger standfest und legte nach dem Rempler einen dreifachen Laufschuh-Rittberger hin, bevor er ausgestreckt auf dem Pflaster liegen blieb und verdutzt in Max’ rotes Gesicht starrte. Nach einer Entschuldigung und Aufstehhilfe waren beide wieder im Rennen.

Den Laufrhythmus finden

Die erste Runde gelang Max gut. Nach dem Rempler hatte er seinen Rhythmus schnell wieder gefunden und versuchte, sich an etwa gleich schnell rennende Mitläufer anzuheften. Zudem verzichtete er in der zweiten Runde vorbildlich auf das Winken in die Zuschauermenge. Max genoss es, wie er von rechts und links angespornt wurde und klatschte ab und zu Kinderhände ab.

In der nächsten Runde wurde Max etwas langsamer. Er hatte zwischendurch mit einem vorsichtigen Blick auf seine Pulsuhr festgestellt, dass er etwas zu schnell unterwegs war. Dann lief es einfach automatisch und als Max keuchend mit erhobenen Armen unter dem Zielbogen durchrannte, übermannte ihn ein Gefühl des Sieges über sich. Er vergass sein Testament auf der Rückseite der Startnummer, er vergass, dass seine Frau ihn irgendwo erwarten würde, ja er vergass sogar, dass er soeben seinen ersten Wettkampf hinter sich gebracht hatte.

Endorphine decken Max zu

Die körpereigenen Endorphine deckten Max richtig zu, die Ziffern auf seiner Stoppuhr wechselten in immer noch gleich bleibendem Tempo und taten so, als wäre Max noch unterwegs.

Erst als Max’ Frau ihn mit unsicherem Lächeln anschaute und gratulieren wollte, wich der Röhrenblick aus seinem Gesicht und machte einem Strahlen platz, welches sich so mancher geschmückte Weihnachtsbaum wünschen würde.

Auf dem Weg nach Hause sprudelten aus Max alle Details seines Laufes hervor, wo er Tempo verschärft hatte, wie er andere Läufer überholt hatte und mit welchem gutem Ergebnis er ins Ziel gerannt sei. Max wurde plötzlich still, blickte auf seine Uhr und stellte überrascht fest, dass die Ziffern dort immer noch um die Wette huschten…

» Max - Die Motivation ist weg! (8)


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