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Max Laufgeschichten: Wie Max zum Laufen kam

Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen haben sich diese selber zugeschrieben.


Die Tage vor dem Wettkampf (6)

Es gab Tage, an denen bereute er den Entscheid. Kurze Zeit später war er wieder stolz darauf. Er wollte in diesem Jahr am Stadtlauf teilnehmen – das erste Mal in seinem noch kurzen Läuferleben (Max: Teil 4). Ein solcher Entscheid hatte für Max Konsequenzen: Das Training war jetzt nicht einfach ein Abschalten vom Alltag sondern Bestandteil seiner Wettkampfvorbereitung und, obwohl er nicht öfters laufen ging, hatte er das manchmal das beengende Gefühl, laufen zu MÜSSEN. 

Max vor seinem ersten Wettkampf

Auch seine Frau bekam die Wettkampflust zu spüren: Sie musste nun öfters Pasta kochen und ihr Mann hatte, nach 15 Ehejahren wohl gesagt, plötzlich seine Gemüse-Aversion unter einem riesigen Berg Broccoli begraben. Zudem standen die Bierflaschen, die seine Frau regelmässig in den Kühlschrank stellte, schon Schlange und sie musste dem verdutzten Getränkelieferanten einen Lieferstopp wegen Bier-Bojkotts melden.

Immer länger - immer weiter

Max genoss die Trainingsrunden im Wald und die Tatsache, dass er bei gleicher Belastung in einer Stunde deutlich weiter kam als vor 6 Monaten. Zwischendurch nahm er sich auch den Tipp eines Kollegen zu Herzen und absolvierte kurze Intervalltrainings. Der Tag kam näher und die Nervosität auch. Es war in der Nacht auf Mittwoch, als Max seinen Stadtlauf das erste Mal in Angriff nahm. Die Startphase gelang ihm wunderbar und er kämpfte sich im Läuferfeld nach vorne. Jedes Überholmanöver weckte neuen Kampfgeist und stellte in seinem Körper wieder neue Kohlenhydratreserven bereit.

Max auf Irrwegen

Plötzlich, es war nach der scharfen Kurve hinter dem Altstadttor, stand Max unvermittelt in einem Parfümladen. Kein anderer Läufer war mehr zu sehen, dafür umso mehr kleine Parfümfläschchen, welche sich in Reih und Glied auf den Gestellen präsentierten. „Sch….“, rutschte es ihm heraus. Ihm war klar, dass dieses Fluchwort so wenig in diese parfümierte Umgebung passte wie ein Elefant in einen Porzellanladen. Nervös drehend suchte Max den Ausweg. Der Blick auf die schnell wechselnden Zahlen seiner Stoppuhr vergrösserte nicht nur seinen Rückstand auf den Wettkampfschnellsten, sondern auch seine Panik. Er stiess mit dem Ellbogen an eines der Gestelle und mit lautem Getöse schepperten hunderte von Parfümfläschchen auf den Boden und die entweichenden Düfte mischten sich zu einer gefahrvollen Chemiewolke. 

Max vor dem ersten Wettkampf

Max richtete sich auf. Die Parfümwolke war verschwunden, auf dem Fussboden herrschte Ordnung und an seinem Handgelenk fehlte die Sportuhr. Nachdem er festgestellt hatte, dass er barfuss war und auf dem Nachttischchen seine Uhr entdeckte, war ihm alles klar. Erleichtert kroch er nochmals unter die Decke.

Post vom Wettkampfteam

Am nächsten Morgen lag besondere Post in seinem Briefkasten: Seine Startnummer! Seine erste richtige Startnummer! Am liebsten hätte er diese gleich in der ganzen Firma herumgezeigt – aber die Parfümladen-Geschichte liess ihn schliesslich davon abhalten.

Zwei Tage vor dem entscheidenden Wettkampf weihte Max seine Frau in die verantwortungsvolle Aufgabe der „Renn-Assistentin“ ein. Sie bestand darin, ihn vor dem Lauf auf dem Teppich zu halten, während seiner fünf Laufrunden zu motivieren und zu verpflegen und am Schluss, je nach Resultat zu beglückwünschen oder zu pflegen. Auf die Antwort seiner Frau, dass achteinhalb Kilometer bei weitem kein Marathon seien und er sicher auf die Verpflegung bei fünf Runden verzichten könnte, brach beinahe eine Mini-Kuba-Krise aus und Max verliess die Küche ohne Worte und Minuten später sah ihn seine Frau aus dem Garten wegjoggen.

Auf seiner Laufrunde hatte Max nun eine knifflige Aufgabe zu lösen: Wer könnte ihn am Rennen coachen – wenn nicht seine Frau? Wen könnte er für diese verantwortungsvolle Aufgabe gewinnen? Sein Nachbar kam nicht in Frage. Nicht, dass er mit ihm auf Kriegsfuss gewesen wäre. Aber Max wusste, dass er ihm anstelle seiner mit leistungsfördernden, kohlenhydratreichen Superdrinks gefüllten Flasche ein Bier reichen würde. Die Lösung kam um die Ecke – das heisst nach der nächsten Biegung in Form von Bert, einem gestandenen Läufer a.D. (ausser Dienst), welcher mit seinem Hund im Wald unterwegs war. Der konnte Max endlich überzeugen, ja, richtig überzeugen. Als Max nach seinem Lauf in die Küche rief „Schatz, ich brauche doch für achteinhalb Kilometerchen keine Verpflegung“, klang das so überzeugt, dass seine Frau sich nicht einmal umdrehte und damit das Versöhnungs-Lächeln für sich behielt. Jetzt konnte der Sonntag kommen!

» Max - Der Wettkampftag (7)


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