Suchcode diese Seite: 480
Laufberichte » Max-Laufgeschichten » Max - Lauftraining im Schnee
Laufgeschichten mit Max

Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen haben sich diese selber zugeschrieben.


Lauftraining im Schnee

Wenn es überall von Minusgrad-Meldungen nur so wimmelte – warum sollte nicht auch Max einen Teil der Europakälte abbekommen?

Mürrisch packte er sich an diesem eisigen Winternachmittag in unzählige Schichten von Funktionsbekleidung. Er hatte mal gelesen, dass der Läufer sich im Winter wie eine Zwiebel mehrschichtig einhüllen müsse. Dann hätte man genügend war.

Max hatte seine Liebe Mühe, bis er endlich die sieben Schichten übereinander gewürgt hatte. Von diesen Problemen schreibt beim Zwiebelprinzip niemand. Jetzt wusste er auch, warum. Beim Sezieren dieser tränenauslösenden Dinger fand Max vor zwei Wochen sieben Schichten. So viele mussten das nun heute sein. Danach hatte Max nicht nur warm – sondern heiss, und es gelang ihm auch nicht mehr, seine Laufschuhe zu binden, weil er sich durch die vielen Funktionsschichten so bewegte, als sei er eben gerade auf dem Mond gelandet.

Lauftraining im Schnee

So ging das nicht! Runter mit den Schichten. Vier sollten für den Oberkörper reichen und eine für die Beine. Das reichte gut, um die Laufschuhe zu schnüren, die Kappe über die Ohren zu stülpen, die Hände in die Handschuhe zu stecken und in den Winter loszutraben.

Die Luft war eisig kalt. Auf der Backe fühlte er kleine Nadeln stechen. Die Gelenke arbeiteten noch etwas sperrig. Doch nach zehn Minuten hatte Max am Körper schön warm und genoss das Lauftraining auf den mit festgetretenem Schnee bedeckten Wege.

Die ganze Landschaft war ein Wintermärchen, in welchem ein Prinz auf seinem weissen Pferd das glückliche Aschenputtel ins Schloss holte.

Der Prinz fehlte auf dem Pferd und das Aschenputtel in seinem schönen Brautkleid war es auch nicht. Ein Schloss gibt es in unserer Nähe, aber auf dem Pferd sass eine Frau mit Brille, den Mantelkragen bis unter die Nase hochgezogen und sie wäre sicher gerne in dieser Kälte von einem Prinzen entführt worden.

Max schlug seine Hausrunde ein. Da lief es sich jeweils wie von selbst. Aus den düsteren Winterwolken fiel etwas Feuchtigkeit, welche auf die schneefreien Strassenabschnitte eine dünne Eisschicht legte. Der Laufuntergrund war heute nicht zu unterschätzen.

Nach einem kurzen Anstieg genoss er die Aussicht auf das umliegende Wintermärchen und freute sich auf den Waldweg, welcher gleich wenige Schritte weiter vorne nach links abzweigte.

Der Boden war mit griffigem Schnee bedeckt. Der Weg kaum erkennbar. Alles war in Weiss gehüllt. Nur die gelben Punkt-Markierungen am Rande des Weges und die braunen Häufchen, welche sich mit ihrer Selbstwärme durch den kalten Schnee gefressen hatten, zeigten Max, dass er sich auf dem beliebten Hündeler-Weg befand.

Die Abzweigung! Max legte sich leicht in die Linkskurve und beschleunigte wie ein Ralley-Fahrer aus der Kurve. Dies hätte er besser gelassen!

Der Weg war von einer mehrere Meter langen Eisschicht bedeckt, welche sich während eines kurzen, sonnigen Abschnittes gebildet haben musste. Bremsen unmöglich. Ausweichen unmöglich. Fliegen möglich. Seine Beine strampelten mit schwindendem Bodenkontakt, die kreisenden Arme suchten das Gleichgewicht.

Nach einem doppelten Rittberger katapultierte es Max mit einem einfachen Salto über den Schneehaufen am Rand. Er landete glücklicherweise wieder auf den Füssen und konnte sich gerade noch an einem dünnen Stämmchen festhalten, bevor die Reise in einen stacheligen Busch weitergegangen wäre.

Dann sah man im winterlichen Wald einige Sekunden lang nichts mehr von Max: Der nicht richtig entlaubte Baum schüttelte seine ganze Schneepracht von den Ästen und hüllte Max in eine Schneestaublawine ein, welche erst nach etlichen Sekunden die Sicht auf den neu geschaffenen, laufenden Schneemann wieder frei gab.

Mit einem hörbaren Knurren schüttelte Max sich von der Schneepracht frei. Das hatte er wiederum auf dem Hündeler-Weg gelernt: Wenn die Hunde im nahen Bach Abkühlung suchten, preschten sie immer direkt auf den Weg zu den Spaziergängern und entledigten sich mit kräftigem Schütteln ihrer Nässe. Ja, ja! Unsere lieben Vierbeiner! Doch die waren heute unschuldig. Max wischte sich den Schnee aus dem Gesicht, stampfte auf dem Weg die weisse Pracht von den Laufkleidern und machte sich auf den Nachhauseweg.

Zuhause wertete Max an seinem Laptop die Laufdaten aus. Eines machte ihn etwas stutzig: Nach Kilometer 5 lag die Laufgeschwindigkeit nicht bei den üblichen neun Kilometern pro Stunde, sondern schlug auf über 16 aus.

Das musste wohl sein doppelte Rittberger gewesen sein…

Fortsetzung folgt in  ...


» Mit dem Newsletter auf dem Laufenden!