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Max Laufgeschichten. Laufschuhe füttern Bäume

Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen haben sich diese selber zugeschrieben.


Max - Laufschuhe fördern das Wachstum von Bäumen (14)

Mit Pilzen von seinen Füssen? Max rieb sich seine Augen. Er war weder durch Alkoholkonsum benebelt, noch mit Hanfprodukten bekifft und auch nicht am Träumen. Da stand es schwarz auf weiss: „Teile des Schuhs werden als wieder verwendbare Bioprodukte der Erde zurückgegeben und unterstützen das Wachstum von Pflanzen und Bäumen.“

Eigentlich wollte Max ja gerade eines seiner Lauftrainings absolvieren. Doch nun hatte er noch unvorhergesehene Fragen zu lösen. Warum von Pflanzen und Bäumen die Rede war, obwohl ja Bäume auch Pflanzen sind, war noch die einfachste Aufgabe. Dass seine Laufschuhe, beziehungsweise deren Mittelsohlen Pflanzen und Bäumen beim Wachsen helfen sollten? Dieser Logik konnte er nicht folgen.

An und für sich war das, was er da eben gelesen hatte, ja eine gute Sache: Die Halbwertszeit von Laufschuh-Zwischensohlen von 1000 auf 20 Jahren zu senken und damit die Natur zu entlasten. Und aus seinem lange zurückliegenden naturwissenschaftlichen Unterricht wusste er noch verschwommen, dass alles irgendwann wieder in seine Einzelprodukte zerfallen würde. So wie sein eigener Körper – wenn er denn das Zeitliche gesegnet haben würde.

Max hatte sich ja schon früher einmal überlegt, ob sich Laufschuhe auf die Dauer nicht von selbst in ihre Einzelteile zerlegen würden: Die Sohle seiner alten Laufschuhe war schon so abgelaufen, dass kaum mehr Profil zu sehen war und das Obermaterial war an einzelnen Stellen so strapaziert, dass da kaum mehr von Obermaterial zu sprechen war.

Nun bringt eine grosse Laufschuhfirma Laufschuhe auf den Markt, die sich schneller von selbst auflösen und als Dünger für Pflanzen herhalten müssen? Seine Augen waren schon etwas rot. Ausnahmsweise nicht vom nervenden Pollenflug. Das Material nennt sich BioMoGo und soll Mikroben anregen, dasselbe nach der Verwendung schneller zu zersetzen.

Max dachte an die Mikroben, welche auch ohne BioMoGo in seinen Laufschuhen ein herrliches Dasein fristen durften und ihn manchmal dazu bewogen, entgegen aller Vernunft seine Treter im Vollwaschgang von dieser Invasion zu befreien.

Was nun? Wenn er sich die tollen Brooks Glycerin oder den Brooks Adrenalin kaufen würde? Würde dann bei einem Lauftraining die feuchte Atmosphäre in seinen Laufschuhen dazu führen, dass sich die Zwischensohle von selbst in ihre Einzelteile auflöste?

Im Artikel war die Rede, dass es eine geringe Sauerstoffkonzentration, zahlreiche anaerobe Mikroben und eine hohe Feuchtigkeit brauchte, um die Zersetzung des Materials in Gang zu bringen. Und dass solche Bedingungen im Leben des Laufschuhs nie eintreffen würden. Oder eben nur ganz am Ende.

BioMoGo löst die Laufschuhe auf

Trotzdem drehte Max Phantasie Kapriolen. Er sah sich auf den letzten Kilometern eines Marathons. Seine Oberschenkel brannten. Die Energiespeicher waren leer. Das Lauf-Shirt 35 Kilometer lang durchgeschwitzt. Die Fusssohlen feuerten und ganz langsam fingen kleine schwarze Käferchen an, seine Laufschuhe von unten zu zerfressen. Zuerst nagten sie am Profil, dann an der Zwischensohle und suchten unaufhörlich den Weg zum Obermaterial. Er rannte immer schneller, um die vielen Mikroorganismen loszuwerden.

Wie aus einem Albtraum erwacht schlug er die Laufzeitschrift zu und „entsorgte“ die BioMoGo-Interneseite mit einem Mausklick. Das dauerte zum Glück keine 20 Jahre...

Lauftraining im Wald geniessen

Er holte sich seine ältesten Laufschuhe aus seinem Schrank. Mit denen hatte er schon einige Wettkämpfe gelaufen. Die Mittelsohle schien noch unzersetzt. Es ist eben schon so, dass man oft an alten Sachen hängt.

„Das macht die Schuhe glücklicher und auch unsere Mutter Erde.“ Über diesen letzten Satz des Artikels mochte er nicht mehr nachdenken. Es war ihm egal, ob seine Schuhe glücklicher sein wollten. Er war es auf jeden Fall, während er genüsslich durch den Wald lief. Den Wald, den es nur gab, weil zersetzende Laufschuhmittelsohlen genügend Nährstoffe für die Bäume in seinem Wald produzierten…

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